Heute habe ich mal die positiven Auswirkungen von Technik gesehen. Schön, dass es nicht nur negative Auswirkungen gibt. Die positiven Effekte von Technik sollte man öfters mal feststellen können. Es motiviert. Man weiß einmal mehr, wofür man sich mit IT beschäftigt und man den Kram verbessern will, wieso man sich für Usability interessiert.
Dass ich morgens a weng verpeilt bin, ist ja normal… Heute Morgen war das allerdings ein klein wenig drastischer. Ich frühstückte ausnahmsweise mal zuhause und es dürstete mir nach einer Tasse Kaffee, also: Senseo-Kaffeemaschine anschalten, Pad einlegen, warten, auf das Knöpfchen mit der imaginären Aufschrift “gib mir Kaffeeeeeeeeeee!!! JETZT!” drücken, Maschine ausschalten wollen, aber stattdessen an der Geschirrspülmaschine eine Taste betätigt. Der kopfinterne Zonk sagte laut: *tä-dööööööööö, FAIL!*. Den Biomüll stellte ich auf den Küchentisch um ihn später – “wenn ich dann runtergehe” – mitzunehmen. Als ich die Wohnung dann verließ, habe ich den Rucksack und die Sporttasche mitgenommen, aber den Biomüll stehen lassen.
Dann bin ich erstmal nach Würzburg gefahren, habe in einem Parkhaus geparkt, ca. 250 Meter von dem “Ziel”, zu dem ich wollte, entfernt. Aus dem Parkhaus rausgelaufen. Verlaufen. Durch die Stadt gerirrt – normalerweise habe ich einen kopfinternen Kompass/eine gewisse Intuition für “die richtige Richtung” – heute Morgen war dieser Kompass wohl noch im Wochenende, im Bett, im Urlaub, auf Reisen oder sonstwo. Zum Glück hatte ich gestern den “kleinen Würzburger” (= Stadtplan im praktischen Format) wieder in den Geldbeutel gestopft – “man kann ja nie wissen” (ich traue mir morgens beliebige Stufen der Vertrottelung zu). Auf die Würzburger Ausschilderung geflucht. Wo sind eigentlich Straßenschilder, wenn man sie mal braucht? Verloren genug ausgesehen, sodass ein Passant mich angequatscht und mir geholfen hat.
Beim Arzt gewesen, Diagnose bestätigt und Rezept ausgestellt bekommen, nachdem ich auf dem PDA-zur-Diagnosestellung fluchte und rumklickte. Und rumklickte und fluchte. Experimente mit dem PDA und die Frage in meinem Kopf: “Wie lange muss ich noch auf dieses Ding einstechen, und überlebt er das (möglichst ohne dass das Display Schaden nimmt)? Ist das jetzt eigentlich ein versteckter Aggression-/Frustrationstoleranztest von dem ich nichts weiß? Nehme ich ohne mein Wissen an einer Studie zu schlechten Benutzerinterfaces teil? Nehme ich ohne mein Wissen an einer Studie zu “ist diese Fragestellung eigentlich präzise genug?” teil?” (Nein, die Fragestellung war nicht präzise genug, das Benutzerinterface war an manchen Stellen unintuitiv/verwirrend/abartig, abgesehen davon brauchte man mal viel zu viel Druck um auf dem PDA rumzustöchern). Das Fluchen-auf-den-PDA-zur-Diagnosestellung war hierbei optional und beeinflusste die Diagnose nicht. Glaube ich.
Den ganzen Tag über habe ich die wüstesten Assoziationen zu so ca. allem gehabt. Ich musste mir ziemlich oft das Kichern verkneifen. “Lerne innerlich zu lachen ohne zu platzen”. Dauernd verlesen, oder wenn aus “Schwerkraft”, “Schweinehälfte” wird, aus dieser wiederrum das Bild (in meinem Kopf) eines Schweinekeule-schwingenden Neandertalers in schickem Lendenschutz. Meine Fantasie ist heute überaktiv, und ich wäre heute wohl gut in der Werbebranche aufgehoben gewesen: Ein-Frau-Armee-der-Werbung oder so ähnlich. Game-Designer wäre wohl auch ‘ne Möglichkeit. Wie gut, dass ich weder in der Werbung, noch in der Spieleindustrie arbeite, das ist besser für die Menschheit. Das Bunte-Knete-Überdruckventil ist heute jedenfalls “out of order”.
In Richtung Arbeit gefahren. Blinken wollen, aber Scheibenwischer betätigt. – “Das klappt so nicht”. Den Blinkhebel erwischt, diesmal den richtigen
Zum Supermarkt (ich habe es am Vorabend auf die Todoliste gesetzt! Kluges Kind, ich!) gefahren, mein Mittagessen gekauft, denn ich wusste: “vor 20 Uhr werde ich das Innere meiner Wohnung nicht zu Gesicht bekommen”. In die Arbeit gefahren, und noch nen Kaffee getrunken. 2 Tassen Kaffee an einem Wochentag – wie ungewöhnlich! Noch müder geworden. Auf die Todoliste geguckt und den Drang verspürt mich wieder in mein Bett zu legen und bis zum Urlaub durchzuschlafen – mindestens!
Irgendwann fragte ich mich dann, ob ich überhaupt das Schlafzimmerfenster wieder zugemacht habe. Heimgefahren. Nachgeguckt. Das Fenster zum Glück nicht vergessen. Die Wohnung nicht betreten. Rezept eingelöst, um nicht vollkommen umsonst rumgefahren zu sein. Brötchen gekauft.
Wieder zurück an die Arbeit. Mittagessen. Weitergearbeitet. Still gelitten, als der Nachbar anfing Ziegelsteine mit lautem Getöse durchzuschneiden. Man nehme eine grooooooße Kreissäge – oder was auch immer das war – und Ziegelsteine und schneide diese durch. Jedenfalls: viel zu laut, viel zu ekelig (das Geräusch). Zum Glück ging das nicht den ganzen Tag so, ich denke ich wäre sonst durchgedreht. Stattdessen heimlich still und leise über einen Onlineshop geflucht und gegrübelt und Dinge erledigt. (<Loriot>”Ach was!”</Loriot>)
Feierabend. Zum Sport. Zum Einkaufen. Heimgefahren. Angekommen. Auto ausgeladen. Zeug in die Wohnung schleppen wollen und eine der Nachbarinnen getroffen. Angequatscht worden. 45 Minuten bequatscht worden. Notiz an mich selbst: Job wechseln und “Psychotherapeut/-analytiker” (angeblich pennen die manchmal in Sitzungen ein – klingt verlockend!), oder Werbung/”was mit Medien” oder aber “was mit Bullshitbingo-im-Job” machen. Ich scheine das “Interesse heucheln, an den richtigen Stellen nicken und verständnisvoll “hmm” und “ja”"-murmeln zu beherrschen, oder WIESO-ZUR-HÖLLE-BIN-ICH-DAS-KOPFKISSEN-DER-GESAMTEN-VERDAMMTEN-NATION?!!!!!!!!!!!!!!!! In die Wohnung gegangen. Zeug verfrachtet. Zu Abend essen wollen. Anruf bekommen. Abendessenspläne vergessen, stattdessen: Küchentisch abgeräumt. Besuch von der Nachbarin-mit-der-Leihkatze bekommen. Just add 15 minutes of “nicken, lächeln, verständnisvoll und interessiert tun und zuhören”. Die Wohnungstüre hinter ihr geschlossen, den Schlüssel mehrfach umgedreht, erschöpft auf den Küchenstuhl gefallen, gegessen und mir gedacht: “und das: “Überlegt, was ich denn im Urlaub so alles machen will und mal die Packliste erstellt”, sowie “Wäsche waschen” auf morgen verschieben”. Atmen. Ich sollte atmen.
Fazit: An manchen Tagen sollte man einfach das Bett nicht verlassen. Kann mich mal einer erschießen? Klonen? Irgendwas? – Mann, bin ich froh, dass dieser Tag vorbei ist. Morgen wird bestimmt alles besser. Ich stellte mir jedenfalls bereits um 8 Uhr morgens eine temp. Merkbefreiung aus und beschloss, dass heute ein Tag ist, an dem ich ausschließlich ohne Root-Rechte arbeiten sollte. – Is’ besser so. Dieser Tag wird in die Historien als “der Tag an dem das Pferd rückwärts kotzen lernte” eingehen. Mann, Mann, Mann!
oder auch: seit gestern weiß ich, dass auch Laptops muffig+modrig riechen können. Fand ich nicht so toll, zumal das Ding dann über Nacht im Büro rumstand.