oder: Hurra, hurra, der Herbst ist schon da. :-/
Heute Morgen war es kühl in meiner Wohnung. Ich hatte das Fenster über Nacht aufgelassen. Ende August, kein Problem – sollte man meinen. Denkste. Ein Blick auf die Wetterstation verriet, dass sich die Nachttemperaturen inzwischen schon im einstelligen Bereich bewegen. 9°C – im August! Man muss sich das mal vorstellen! Damals, als ich noch jung war, gab es Ende August bis Mitte September oftmals noch prima Badewetter. Nicht so dieses Jahr, und schon garnicht hier, in Würzburg. Seit ich nach Würzburg gezogen bin, weiß ich, dass es noch trostloser geht als “Neuburger Wetter”, v.a. im Herbst und Winter.
In Neuburg hat es gefühlt ein halbes Jahr Nebel, und dann kommt irgendwann im Frühjahr wieder die Sonne durch. In Würzburg hat’s gefühlt ein halbes Jahr einen Mix aus Nebel, Regen, Graupel (und manchmal sogar Schnee), grau-in-grau-mit-zuviel-Stadt-außenrum (also noch mehr grau und braun). In Würzburg, oder vielmehr ein klein wenig außerhalb Würzburgs, wo ich eben wohne, ist der Nebel besonders fies: Vom Main hochziehend, erstreckt er sich über die Wälder und Hügel, die an der Straße gelegen sind und es erinnert mich jedes Mal an ein schweizer Dorf mit dem Namen Les Diablerets.
Als ich vor vielen, vielen Jahren mal in Les Diablerets war, hingen dicke, fette Regenwolken und Nebelfetzen zwischen den Bäumen, den Häusern und überhaupt: über dem gesamten Tal. Wenn nicht der Regen dafür sorgte, dass man nass wurde, tat der Nebel sein Übriges. Idyllisch, schön und so weiter – aber nur, wenn man diese Kulisse aus sicherer Entfernung in einer trockenen, warmen, flauschigen “Stube” betrachten kann. Gerne auch mit Teetasse in der Hand, Kuschelsocken an den Füßen und Kaminfeuer im Hintergrund
Achja; Neuburg ist übrigens insofern besser, als es dort immerhin nicht dieses erdrückend grau-braun der Häuser+Stadt zu sehen gibt, sondern viel Landschaft außenrum für das Auge des Betrachters eine Wohltat ist. Mal abgesehen davon: In Neuburg gibt’s – landschaftlich schön gelegen – eine Loipe, genaugenommen mehrere. Und wenn man Skifahren will, setzt man sich ins Auto, fährt ca. 1.5-2h und ist in den Bergen, die man – ganz nebenbei – bei gutem Wetter auch von Neuburg aus sieht. In Würzburg sieht man zwar Hügel, aber es sind halt Hügel, oftmals Weinhügel, nicht sowas Imposantes und Schönes wie die Alpen. Ich muss gestehen, dass die Alpenkulisse, die sich mir jeden Tag bot, wenn ich nach München pendelte, etwas ist, was ich toll fande und auch ein Stück weit vermisse. In der Dunkelheit losfahren, dann in den Sonnenaufgang fahren und die Alpen sehen, wenn man kurz vor Ankunft in München die Augen aufschlägt (übrigens nur empfehlenswert, wenn man Bahn fährt – also das mit dem Augen schließen). Das ist doch einfach großartig!
Aber zurück zum Würzburger Herbst: Dass es langsam aber sicher Herbst wird sehen nicht nur meine Temperatursensoren, sondern auch die Bäume so: Sie fangen langsam aber sicher an sich ins gelbliche zu verfärben. Vom Wein fang’ ich garnicht erst an, sonst fang’ ich nämlich im selben Atemzug mit den Winterdepressionen an: der Wein meint, dass es an der Zeit ist sich rot zu verfärben
Tief im Inneren hoffe ich natürlich darauf, dass der Wein sich wegen irgendetwas geschämt hat und deswegen die Blätter verfärbt…
Na hoffentlich bekommen wir wenigstens ‘nen warmen (ich würde mich schon mit 15-20°C zufrieden geben) trockenen und sonnigen Herbst. .oO( Oh Gott, wenn ich an den Winter denke… Grau-in-Grau, keine Farben, kein Licht, kalt, nass, … Igitt. ) Ich hätte jetzt, im August, schon Lust auf einen Adventskranz auf meinem Tisch. Da muss ich wohl noch so ~3 Monate warten, bis ich damit anfangen kann, aber ‘ne Kerze auf dem Frühstückstisch soll auch schön sein, habe ich gehört.
… als zur Sommerzeit. Das Wetter hielt sich nicht an die Vereinbarung: “erst regnen, wenn ich im Trockenen bin”. 3 Minuten bevor ich im Trockenen war roch ich den Regen, dann sah ich – kurz nach dem Ortsendeschild der Ortschaft durch die ich gerade fuhr – eine dichte Regenwand. Ich bog dann mal schnell ab, stellte mich unter das nächste Garagenvordach, zog schnell die Regenjacke für mich und das Raincover für den Rucksack hervor, verpackte uns beide in die Anti-Regenhülle und wartete bis der Guss vorüber war/der Regen auf ein sachtes Tröpfeln zurückging. Dann fuhr ich los. Und dann fing es abermals an zu schütten. Bevor ich “zucken” konnte und zurück in die Ortschaft fahren konnte, war ich von unten bis oben durchnässt. Ich fuhr zum nächsten Gasthof, tankte mich auf (“Apfelsaftschorle”) um gestärkt – vor dem nächsten Regenguss, der dann allerdings ausblieb – zurückfahren zu können. Als ich dort ankam und ein paar Schritte probehalber ging, bestätigte sich der Eindruck, den ich auf dem Rad schon hatte: ich habe ein Feuchtbiotop im Schuh! Die Bewohner dieses Feuchtbiotops gaben bei jedem Schritt lustige “quaaaack, quaaaack!”-Geräusche von sich, es muss sich also wohl um Frösche handeln.
Gestern (und heute und morgen) ist in Ingolstadt das “Schanzer Donaufest”. Außerdem ist Wochenende, und ich habe es gewagt das zu tun, was normale Menschen in meinem Alter tun würden: “unterwegs” sein, also etwas tun, was mir normalerweise total fremd ist. Ist’s immer noch, aber nun von vorne…
Ich habe keinen Plan wo in Ingolstadt “Nachtleben” oder sowas stattfindet, und bin erstmal durch die Stadt geschlendert. Ich glaube ich war der einzige Mensch, der alleine durch die Stadt schlenderte. Alle anderen in meinem Alter liefen (aufgebrezelt) mit viel Hüftschwung und Elan durch die Stadt, meist in Begleitung einer oder mehrerer “Freundinnen”. Oftmals liefen sie (laut) kichernd und noch öfters schon (leicht) angesäuselt durch die Gegend, meist mit irgendwelchen Tussi-Handtäschchen. Ich dagegen schlenderte, stocknüchtern wie immer, mit einer Kamera, Pullover und Geld in der “Handtasche” alleine durch die Stadt. Die einzigen Leute außer mir, die durch die Stadt schlenderten, scheinen Pärchen im Alter 35+ zu sein, meistens tragen sie ‘nen Ring um den Finger. – Ich weiß nicht, wie oft ich mich an dem Abend fragte: “und wo ist jetzt eigentlich mein Mann?”
Ich mach’ mir dann ‘nen Spaß draus irgendwelche seltsamen Typen in noch viel seltsamer Verkleidung blöd aussehen/stehen zu lassen oder generell mich über das Verhalten geschlechtsreifer Männlein/Weiblein und ihren Paarungsritualen zu amüsieren… Ich schlenderte also so durch Ingolstadt, lief an einem Club/Kneipe/was-auch-immer-vorbei und irgendwelche seltsam verkleideten Typen mit Perücke und Trainingsanzug teilten irgendwelche Flyer aus. Einer der Typen quatscht mich von der Seite an: “Na Digge, was gehd?” – Ich denke mir: “deine Sprache “geht” definitiv nicht, außerdem bist du mind. 15 kg schwerer als ich, bei kleinerer Körperhöhe, und was bitteschön soll ich auf deine Pseudofrage jetzt antworten? – Pferde, Hühner, Enten, Tausendfüßler, …?” – Ich ließ den Kerl links liegen ohnen einen Piep von mir zu geben, lief einfach ohne ihm eines Blickes zu würdigen weiter. Er lief mir hinterher wie ein Hündchen, holte seinen Compañero ein, und beschwerte sich auf Englisch: “this girl doesn’t speak with me!” – Nun liefen mir beide Jungs hinterher, und der andere versuchte mich auf Englisch mit Metakonversation anzuquatschen – “did you try to talk to her in german?” – “yes”. 100 Meter weiter hatte ich sie dann verloren. Nüchtern läuft’s sich halt besser, auch mit 100 km Fahrradfahren in den Beinen. – Aber mei, oh, mei, wer reagiert auf sowas? – Übt mal noch a weng, Jungs. Bis ihr das gelernt habt, lerne/perfektioniere ich innerliches-in-Lachanfälle-ausbrechen-und-fies-sein-ohne-einen-Pieps-von-mir-zu-geben-und-ohne-zu-platzen