Müsste, sollte, hätte, könnte, wollte

January 23rd, 2012 || 1 comment || permalink

Ich hatte im vergangenen Jahr zuviele Dates, und zu viel “beschnuppern” via Internet. Single bin ich aber immer noch, Mr. Right war nicht dabei. Falls doch, ist mir entgangen, dass er dabei war. Jedenfalls habe ich im vergangenen Jahr zu oft gehört:

  • “man müsse <dieses und jenes> tun und machen, sein lassen oder anfangen, <um/bevor/was auch immer>”
  • “man hätte [früher, später, irgendwann, vielleicht aber auch garnicht] <was auch immer> machen/sagen/in den Wind schlagen/was auch immer sollen”
  • “man könne nicht sagen, wie/wo/was/wann/warum/weshalb/wieso XYZ, ABER…”
  • “man sollte noch XYZ, um/bevor/whatever, weil/damit/ … “
  • “es würde ja XYZ von einem erwartet, um/damit/weil … “

Und abgesehen davon ist Bewegung mit Anstrengung gleich zu setzen, somit potentiell tödlich, die Schuhe werden auch dreckig, und dann müsse man ja den Matsch von den Schuhen abwischen, und die Schuhe reinigen, aber dazu sei man ja zu faul, nennt es aber nicht “faul”, sondern “bequem”, weil das besser klingt, denn in dieser Gesellschaft muss ja alles nach rosaroten, flauschigen Wattebällchen und Kuckucks-Tralala klingen, weil is ja schöner und so und und überhaupt… Außerdem werden wir alle sterben, und unsere Kinder, ach Gott, die Kinder! Und wir werden vom Klima, der Rache des Planeten, des Universums, … getötet werden, wenn das nicht böse Terroristen die an allen Straßenecken wie ein Wolf im Schafspelz lauern für die Welt/das Universum/den ganzen Rest übernehmen… Und abgesehen davon isses draußen zu nass, zu heiß, zu windig, zu windstill, zu dunkel, zu hell, zu ach-denk-dir-selbst-was-aus, und die wirtschaftliche/soziale/verquere/sonstirgendeine Lage sei ja auch scheiße in diesem Land, und überhaupt sei alles ganz furchtbar und würde bald den Bach runtergehen und große Depression, und Burnout und Burma und in-China-fällt-ein-Sack-Reis-um-und-niemanden-juckt’s, aber man denke darüber nach, ob man nicht das Weite suchen solle, und dann dort, im gelobten Land, in dem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, die Mädchen einem den Rücken massieren/kühle Luft zufächern/einen Cocktail mit Eis bringen/einem jeden Wunsch von den Augen ablesen, während man in sein Ipad guckt und Nachrichten liest, um als gebildeter Weltbürger immer auf dem Laufenden zu bleiben, und  um anschließend die Aktien zu kaufen/verkaufen (+/- Panik), und das alles während man am Strand unter einer Kokospalme sitzt…Außerdem – könne ich denn nicht einfach – wie jede durchschnittlich normale Frau (merkste was?!) einfach Single-Pauschalurlaub buchen, auf Parties gehen und ein bisschen <irgendeinen Tanz mit viel Hüftschwung> beim Friede-Freude-Eierkuchen-Tanz-Lied mithüpfen? Männer sind abgeschreckt/eingeschüchtert davon, dass ich bin, wie ich bin. Mich gibt’s aber nicht anders. Nur echt mit Ecken und Kanten. Dafür bin ich “natürlich”, “authentisch” und “keine Zicke” – was ja angeblich immer soooooo wichtig ist. Pfff, denkste – dann halt nich.

Meine Fresse, ich komm’ mit sowas nicht klar. “Sowas” ist übrigens: Kerl, grün hinter den Ohren/unerwachsen/unreif/weiß nicht wer er ist und was er will.

Just add coffee

August 1st, 2011 || 2 comments || permalink

Dass ich morgens a weng verpeilt bin, ist ja normal… Heute Morgen war das allerdings ein klein wenig drastischer. Ich frühstückte ausnahmsweise mal zuhause und es dürstete mir nach einer Tasse Kaffee, also: Senseo-Kaffeemaschine anschalten, Pad einlegen, warten, auf das Knöpfchen mit der imaginären Aufschrift “gib mir Kaffeeeeeeeeeee!!! JETZT!” drücken, Maschine ausschalten wollen, aber stattdessen an der Geschirrspülmaschine eine Taste betätigt. Der kopfinterne Zonk sagte laut: *tä-dööööööööö, FAIL!*. Den Biomüll stellte ich auf den Küchentisch um ihn später – “wenn ich dann runtergehe” – mitzunehmen. Als ich die Wohnung dann verließ, habe ich den Rucksack und die Sporttasche mitgenommen, aber den Biomüll stehen lassen.

Dann bin ich erstmal nach Würzburg gefahren, habe in einem Parkhaus geparkt, ca. 250 Meter von dem “Ziel”, zu dem ich wollte, entfernt. Aus dem Parkhaus rausgelaufen. Verlaufen. Durch die Stadt gerirrt – normalerweise habe ich einen kopfinternen Kompass/eine gewisse Intuition für “die richtige Richtung” – heute Morgen war dieser Kompass wohl noch im Wochenende, im Bett, im Urlaub, auf Reisen oder sonstwo. Zum Glück hatte ich gestern den “kleinen Würzburger” (= Stadtplan im praktischen Format) wieder in den Geldbeutel gestopft – “man kann ja nie wissen” (ich traue mir morgens beliebige Stufen der Vertrottelung zu). Auf die Würzburger Ausschilderung geflucht. Wo sind eigentlich Straßenschilder, wenn man sie mal braucht? Verloren genug ausgesehen, sodass ein Passant mich angequatscht und mir geholfen hat.

Beim Arzt gewesen, Diagnose bestätigt und Rezept ausgestellt bekommen, nachdem ich auf dem PDA-zur-Diagnosestellung fluchte und rumklickte. Und rumklickte und fluchte. Experimente mit dem PDA und die Frage in meinem Kopf: “Wie lange muss ich noch auf dieses Ding einstechen, und überlebt er das (möglichst ohne dass das Display Schaden nimmt)? Ist das jetzt eigentlich ein versteckter Aggression-/Frustrationstoleranztest von dem ich nichts weiß? Nehme ich ohne mein Wissen an einer Studie zu schlechten Benutzerinterfaces teil? Nehme ich ohne mein Wissen an einer Studie zu “ist diese Fragestellung eigentlich präzise genug?” teil?” (Nein, die Fragestellung war nicht präzise genug, das Benutzerinterface war an manchen Stellen unintuitiv/verwirrend/abartig, abgesehen davon brauchte man mal viel zu viel Druck um auf dem PDA rumzustöchern). Das Fluchen-auf-den-PDA-zur-Diagnosestellung war hierbei optional und beeinflusste die Diagnose nicht. Glaube ich. ;-)

Den ganzen Tag über habe ich die wüstesten Assoziationen zu so ca. allem gehabt. Ich musste mir ziemlich oft das Kichern verkneifen. “Lerne innerlich zu lachen ohne zu platzen”. Dauernd verlesen, oder wenn aus “Schwerkraft”, “Schweinehälfte” wird, aus dieser wiederrum das Bild (in meinem Kopf) eines Schweinekeule-schwingenden Neandertalers in schickem Lendenschutz. Meine Fantasie ist heute überaktiv, und ich wäre heute wohl gut in der Werbebranche aufgehoben gewesen: Ein-Frau-Armee-der-Werbung oder so ähnlich. Game-Designer wäre wohl auch ‘ne Möglichkeit. Wie gut, dass ich weder in der Werbung, noch in der Spieleindustrie arbeite, das ist besser für die Menschheit. Das Bunte-Knete-Überdruckventil ist heute jedenfalls “out of order”.

In Richtung Arbeit gefahren. Blinken wollen, aber Scheibenwischer betätigt. – “Das klappt so nicht”. Den Blinkhebel erwischt, diesmal den richtigen ;-)   Zum Supermarkt (ich habe es am Vorabend auf die Todoliste gesetzt! Kluges Kind, ich!) gefahren, mein Mittagessen gekauft, denn ich wusste: “vor 20 Uhr werde ich das Innere meiner Wohnung nicht zu Gesicht bekommen”. In die Arbeit gefahren, und noch nen Kaffee getrunken. 2 Tassen Kaffee an einem Wochentag – wie ungewöhnlich! Noch müder geworden. Auf die Todoliste geguckt und den Drang verspürt mich wieder in mein Bett zu legen und bis zum Urlaub durchzuschlafen – mindestens!

Irgendwann fragte ich mich dann, ob ich überhaupt das Schlafzimmerfenster wieder zugemacht habe. Heimgefahren. Nachgeguckt. Das Fenster zum Glück nicht vergessen. Die Wohnung nicht betreten. Rezept eingelöst, um nicht vollkommen umsonst rumgefahren zu sein. Brötchen gekauft.

Wieder zurück an die Arbeit. Mittagessen. Weitergearbeitet. Still gelitten, als der Nachbar anfing Ziegelsteine mit lautem Getöse durchzuschneiden. Man nehme eine grooooooße Kreissäge – oder was auch immer das war – und Ziegelsteine und schneide diese durch. Jedenfalls: viel zu laut, viel zu ekelig (das Geräusch). Zum Glück ging das nicht den ganzen Tag so, ich denke ich wäre sonst durchgedreht. Stattdessen heimlich still und leise über einen Onlineshop geflucht und gegrübelt und Dinge erledigt. (<Loriot>”Ach was!”</Loriot>)

Feierabend. Zum Sport. Zum Einkaufen. Heimgefahren. Angekommen. Auto ausgeladen. Zeug in die Wohnung schleppen wollen und eine der Nachbarinnen getroffen. Angequatscht worden. 45 Minuten bequatscht worden. Notiz an mich selbst: Job wechseln und “Psychotherapeut/-analytiker” (angeblich pennen die manchmal in Sitzungen ein – klingt verlockend!), oder Werbung/”was mit Medien” oder aber “was mit Bullshitbingo-im-Job” machen. Ich scheine das “Interesse heucheln, an den richtigen Stellen nicken und verständnisvoll “hmm” und “ja”"-murmeln zu beherrschen, oder WIESO-ZUR-HÖLLE-BIN-ICH-DAS-KOPFKISSEN-DER-GESAMTEN-VERDAMMTEN-NATION?!!!!!!!!!!!!!!!! In die Wohnung gegangen. Zeug verfrachtet. Zu Abend essen wollen. Anruf bekommen. Abendessenspläne vergessen, stattdessen: Küchentisch abgeräumt. Besuch von der Nachbarin-mit-der-Leihkatze bekommen. Just add 15 minutes of “nicken, lächeln, verständnisvoll und interessiert tun und zuhören”.  Die Wohnungstüre hinter ihr geschlossen, den Schlüssel mehrfach umgedreht, erschöpft auf den Küchenstuhl gefallen, gegessen und mir gedacht: “und das: “Überlegt, was ich denn im Urlaub so alles machen will und mal die Packliste erstellt”, sowie “Wäsche waschen” auf morgen verschieben”. Atmen. Ich sollte atmen.

Fazit: An manchen Tagen sollte man einfach das Bett nicht verlassen. Kann mich mal einer erschießen? Klonen? Irgendwas? – Mann, bin ich froh, dass dieser Tag vorbei ist. Morgen wird bestimmt alles besser. Ich stellte mir jedenfalls bereits um 8 Uhr morgens eine temp. Merkbefreiung aus und beschloss, dass heute ein Tag ist, an dem ich ausschließlich ohne Root-Rechte arbeiten sollte. – Is’ besser so. Dieser Tag wird in die Historien als “der Tag an dem das Pferd rückwärts kotzen lernte” eingehen. Mann, Mann, Mann!

Stillsitzen.

July 25th, 2011 || 4 comments || permalink

Die letzten paar Wochenenden war ich ja zuhause. Nach dem 3. Wochenende in Folge zuhause kam ich dort auch tatsächlich mal an. Nach den letzten ~10 Monaten in denen ich quasi jedes 2. Wochenende unterwegs war, merke ich, dass es mich jetzt (erstmal?) wieder weniger “in die Ferne” zieht.

Nach dem vergangenem Wochenende ist es besonders schlimm: es zieht mich zurück in die Wohnung. Ich will nun  irgendwie nichts und niemanden mehr sehen und viel Zeit in meiner Wohnung verbringen: TV aus (da läuft eh nur Müll), Musik aus, Rechner aus. Kein (Zivilisations)Lärm um mich herum. Kein Dauergebrabbel anderer Menschen im Auto, im Zug, an Bahnhöfen, in Städten, auf Festen, im IRC. Kein Gegackere von Studentinnen, die in ihrer Mädels-Schar wild kichern. Kein monotones Reifengeräusch-auf-Asphalt. Kein Drängeln des Hintermanns. Kein Hupen. Kein Prasseln der Regentropfen auf die Windschutzscheibe meines Autos. Kein Scheibenwischer-Wisch-Geräusch. Keine Lichter von entgegenkommenden Autos, die bei Regen unangenehm blenden. Kein Lenkrad-festhalten und möglichst schnell die Ankunft herbeisehnen. Kein Warten auf Busse, Mitfahrer, Züge, Abholer. Kein wildes Herumtelefonieren, damit man Mitfahrer und Abholer organisiert. Kein hektisches von Gleis X zu Gleis Y rennen. Kein Peitschen des Regens und des Winds gegen die ICE-Scheiben. Keine wolkenverhangenen Landschaften, die mit Tempo 150+ an mir vorüberziehen. Kein Koffer/Rucksack packen und wieder auspacken, um gleich darauf wieder neu zu packen und zwischendurch die Wäsche zu waschen. Kein Sonnencremegeruch-am-Weiher in meiner Nase. Kein Kindergekreische.  Kein hektisches Ausweichen um dem-Eisfleck-auf-der-Jeans-versuchen-zu-entgehen-müssen. Keine Musik, die mich umgibt. Keine Menschenmassen, mit Individuen, denen ich versuche auszuweichen und doch scheitere. Kein Geruch von heißem Fett oder Gegrilltem. Kein süßlicher Jahrmarktsgeruch, der aus einer einzigartigen Mischung aus Biergeruch, Popcorn, und gebrannten Mandeln/div. Nüsschen zusammengesetzt ist. Keine wummernden Bässe, die viel zu laut in meinen Ohren dröhnen und deren Vibrationen ich in den Fußsohlen und auf der Haut spüre. Keine Telefongespräche in meiner Umgebung. Keine Menschen, die darauf warten, bis man fertig trainiert hat. Kein kritisches beäugt-werden. Keine abschätzenden Blicke anderer Menschen, die einen (un)willkürlich mustern, wenn man irgendwo entlanggeht oder sie an einem vorübergehen. Kein Steine-zersägen/-stapeln-Geräusch. Kein Kreissägengeräusch. Kein Geräusch von vorbeifahrenden Autos im viel-zu-oft-Takt. Kein Geräusch von zu-schnell-vorbeirauschenden LKWs-und-tiefem-Brummen. Kein Geklopfe auf Metallrohre. Kein Starten- und Laufenlassen von LKW-Motoren. Kein sattes Brummen eben solcher, wenn sie minutenlang im Hof stehen und auf ihren Fahrer warten.

Einzig und allein der Kühlschrank brummte noch und man hörte das beruhigende Ticken der Uhr in meinem Wohnzimmer. Die Vögel sind leise, der Hamster pennt. Man riecht dezent den Weichspüler meiner Wäsche und den Tee. Stillsitzen – mit einer Tasse Tee und einem Buch in der Hand – und dann die herrliche Stille genießen. Kein Mensch. Kein Lachen. Nichts; nur ich, mein Buch und mein Tee – und diese herrlich süße Stille. Toll. Sollte ich öfters mal ausprobieren, dieses “zuhause bleiben”. – Meine Wohnung will ich dennoch ein bisschen mehr “entrümpeln”, sie ist mir noch immer zu voll. Aber jetzt, jetzt schalt’ ich erstmal den Rechner wieder aus, trinke meinen Tee und lese.

Tschüss Zivilisation, bis morgen dann.

Where Am I?

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