Heute fällt mir auf, dass ich alt werde. So wahnsinnig viel hat sich seit dem 18. Nov. 2007, als ich über Neuanfänge in Würzburg schrieb, nicht geändert. Nun steh’ ich hier. Meinen Job habe ich immer noch, geändert hat sich dennoch so manches. Ob zum Guten oder zum Schlechten vermag ich nicht zu sagen, denn dazu stecke ich zu tief in meinem Leben drin, als dass mir eine objektiv(er)e Sicht darauf möglich wäre. Es ist anders, und doch ist es teilweise gleich.
Was sich geändert hat (und was ich öffentlich machen will):
- ich bin älter geworden (ach!)
- ich bin erwachsener, selbstständiger, noch ruhiger und ernster geworden
- mein Leben ist – seit ca. einem Monat – ruhiger geworden, die Höhen und Tiefen sind raus, jetzt ist es “gleichförmiger”
- ich habe in gewisser Weise eine stoische Gelassenheit entwickelt, die auch meistens funktioniert
- ich mache wieder (mehr) Sport
Und sonst so? Ich stehe wieder an einem “Wendepunkt”, wobei “Wende” der falsche Ausdruck ist, im Leben. Wohin geht es, wann, und aus welchem Grund…?
Es gibt Dinge, mit denen ich nicht klarkomme: Abschiede z.B. – es gibt nur wenige Sachen, mit denen ich weniger klarkomme als mit Abschieden.
Heute habe ich mich von meinen Großeltern und den Hunden verabschiedet. Ich weiß nicht, wie oft ich sie noch sehen werde. Wie lang sie noch leben. Genausowenig weiß ich, wie lange meine Eltern noch leben. Wie oft sehe ich dieses Haus noch? Ich weiß nichts. Zukunft: ungewiss. In den letzten Tagen habe ich auch andere Abschiede hinter mich gebracht: manche Gespräche, z.B. mit Personen, die ich zwar nur einmal im Monat für 15 Minuten gesehen habe, werde ich vermissen. Genauso meinen Gitarrenlehrer, dem ich ziemlich viel verdanke. Es ist ein bescheuertes Gefühl, ins kalte Wasser zu springen und alles zurückzulassen…
Letztes Jahr saß ich unterm Weihnachtsbaum und an Silvester herum und dachte mir: “vielleicht ist das das letzte Mal, dass du Weihnachten/Silvester in Neuburg feierst”. Ich sollte Recht behalten, auch wenn ich nicht nach Spanien auswandere, sondern nach Würzburg ziehe. Am 01.12. fang’ ich meinen neuen Job an – ok, ich werde auch Weihnachten und Silvester bei meinen Eltern sein etc. – aber nicht mehr hier leben.
Ich hatte schon seit ich 7 Jahre oder so war, immer Pläne mal auszuwandern, fühlte mich unterwegs wohler als zuhause. Genauso hatte ich eigentlich immer den Plan, dass ich nach meiner Ausbildung von Neuburg abhaue, weil ich mich hier nie wirklich wohlfühlte. Vor einigen Wochen traf ich alte Klassenkolleginnen – sie waren erstaunt, dass ich immer noch in Neuburg lebe. Weil ich immer die Person war, die eben plante, bald aus Neuburg abzuhauen, ziemlich reisefreudig/abenteuerlustig ist und die Welt sehen wollte. Kurz: ich lebte noch in Neuburg – und hatte noch keinen Job in Aussicht. Klar: ich wollte weg, will immer noch weg und werd’ auch weg gehen – aber ich hab’ Angst. Angst es nicht zu schaffen, auf die Nase zu fallen. Nochmals. Was wäre, wenn…?
Mir geistern Tag für Tag und Nacht für Nacht (v.a. die Nächte und Wochenenden sind schlimm) tausend Fragen durch den Kopf. Fragen auf die ich keine Antworten finde. Wenn ich hier weggehe, lass’ ich ein großes Stück Sicherheit zurück. Ich muss mich beweisen, in einen neuen Job einarbeiten. Und da ist ja noch das Privatleben. Ich weiß immer noch nicht, wo ich wohnen werde, wenn ich am 1.12. anfange. Ich weiß nicht wie lange ich dort wohnen werde. Mein Leben ist total im Umbruch. Manchmal, wenn mich die Angst übermannt, bin ich kurz davor alles hinzuschmeißen. Das einzigste, was mich manchmal davon abhält, ist mein Sturkopf. Kurz: Eine ungewisse Zukunft liegt vor mir.
Ich wusste nicht, wie viel alter Kram hochkommt, wenn man z.B. abends spazierengeht… 23 Jahre Vergangenheit kann man nicht so leicht abstreifen – ich hatte mir den Abschied leichter vorgestellt.
Und ich weiß nicht, wo und wie die Reise endet.
Nee, heut’ nich’. Faul rumhängen, nebenher ‘n bissl arbeiten, Musik hören, Koffer packen, die restlichen Besorgungen erledigen, über das Wetter fluchen, und die Welt aussperren. Klingt nach ‘nem guten Plan für einen grauen Donnerstag (der Tag, an dem dieser Artikel ursprünglich erscheinen sollte)…
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