Politisches Engagement

January 31st, 2012 || 13 comments || permalink

- aber wie und wo…?! Wir jungen haben keinen Platz in der politischen Gesellschaft.

 

Das ist eine Frage, die ich mir “akut” seit meiner Kroatienreise stelle. Allerdings spukt diese Frage schon sehr, sehr lange, sicherlich über ein Jahrzehnt, in meinem Kopf herum. “Wie kann ich mich engagieren, und v.a. auch wo?!” Neulich las ich einen Artikel auf spiegel.de und fand die Aussage von Nina Pauer, die das Buch “Wir haben keine Angst – Gruppentherapie einer Generation” geschrieben hat, und v.a. fand ich mich in dieser Aussage wieder:

Pauer: Alle bezeichnen sich als politische Menschen, nur äußert sich das so gut wie gar nicht. So ist es bei mir ja auch, ich bin politisch, aber meine politischen Energien finden keinen Kanal. Man merkt nur: Zu den etablierten Parteien findet man keinen richtigen Zugang mehr.

Genau dieses Problem habe ich auch. Dieses Problem ist jener Umstand, der mich seit über einem Jahrzehnt davon abhält, einer Partei beizutreten und politisch mitzuwirken.

Das, und die Tatsache, dass es oftmals wohl nur um das Bauchpinseln/die Selbstdarstellung geht, nicht um Inhalte. Blöd, wenn man selbst eher ein vernunftbegabter, introvertierter Mensch ist, der der Meinung ist, dass (allzu) emotionale Debatten in der Politik nichts verloren haben.

Erschwerend kommt hinzu, dass in Parteien oftmals eher “ältere” Leute organisiert sind, die sich mit der Lebensrealität der aktuellen Generation weder identifizieren, noch diese nachvollziehen können, da die Lebensrealitäten gravierend voneinander unterscheiden. Ein Generationenkonflikt, wenn man so will. Wenn diese Leute dann noch dazu eher konservativ sind, und von ihren Wert- und Moralvorstellungen so sehr eingenommen sind, dass ein Blick über den Tellerrand hinweg nicht möglich ist, stellt dies – diplomatisch formuliert – keinen idealen Boden für Gespräche dar.

Die instutionelle Trägheit, die in der Politik vorherrscht, ist nochmal etwas, was es erschwert sich überhaupt engagieren zu wollen. Die Strukturen, in die man sich einfügen muss, und die Interessen, die man teilen muss, um überhaupt wahrgenommen zu werden, sind nochmal so Dinge, die abhalten.

Ich möchte nicht mit “Erwin Müller” Samstagabends in ‘ne Kneipe gehen müssen, ‘n Bierchen trinken etc. um EVTL. ernst(er) genommen und somit beachtet zu werden. Ich möchte kein Vitamin B brauchen müssen, nicht die “richtige” Religion haben, nicht den “richtigen” Job haben müssen und nicht die “richtigen” Einstellungen haben müssen, um ernst genommen zu werden. Ich möchte ernst genommen und gehört werden, weil ich was zu sagen habe, weil ich (hoffentlich) gute Argumente vorweisen kann. Eigentlich sollte dies selbstverständlich sein. Eigentlich sollten gerade Politiker, egal auf welcher Ebene, die Fähigkeit besitzen andere Meinungen, Einstellungen, etc. zulassen und v.a. ernst nehmen zu können. Eigentlich. Eigentlich sollten Politiker dazu in der Lage sein vernunft- statt emotionsgesteuerte Entscheidungen zu treffen, Diplomatie walten zu lassen, und auch Meinungen, die die andere Position besitzt, vielleicht nicht mit den eigenen Werten übereinstimmt, zulassen zu können. Eigentlich sollte nicht der lauteste Selbstdarsteller, der die besten Connections hat, das “Alphamännchen” sein, sondern der Mensch mit den besten Argumenten. Eigentlich, eigentlich, eigentlich…

In einer eher “althergebrachten” Partei, die in meinem Hinterkopf herumspukt, und deren Parteiprogramm ich mich eher zugehörig fühle, wäre dies ziemlich sicher nicht möglich. Die Piratenpartei kann ich nicht ernst nehmen, denn inhaltlich ist sie mir zu eingeschränkt, zu konzeptlos, außerdem ist sie mir zu sehr ein Sammelsurium an mitunter seltsamen Gestalten, die leider oftmals nicht sonderlich lebenserfahren/bodenständig sind. Zu weit links muss ich auch nicht haben, rechts muss ich überhaupt nicht haben, zu konservativ ist auch nix, und ich bin ganz klar kein Gutmensch der sich an Bäume festketten will…

Ich bin politisch zutiefst desillusioniert. Wenn jemand weiß wo/wie man sich engagieren kann, ohne mit diese oben angesprochenen Punkte in hohem Ausmaß konfrontiert zu werden, möge er mir Bescheid geben. Ansonsten schreib’ ich halt hier weiter – für die ~2000 Leser/Monat und meinen eigenen Seelenfrieden – Zeitungen wollen mich ja leider eh nicht, denn die wollen mich, wenn ich tatsächlich mal schreibe, höchstens zensieren, weil ich nicht der gewünschten politischen Ausrichtung des Zeitungverlegers entspreche.

10 Essentials

January 29th, 2012 || 6 comments || permalink

http://alex-rubenbauer.de/minimalismus/721/meine-10-beduerfnisse/

  1. Demokratie, Freiheit, Frieden bzw. generell gesagt: Grundrechte
  2. Gesundheit
  3. Job/Geld um sich das Dach über den Kopf, Gesundheitsvorsorge, … (und so Sachen, die einfach Spaß machen) leisten zu können… Außerdem brauch ich einen festen Rückzugsort/ein Zuhause
  4. Partner/Freunde/Familie + Gespräche
  5. Sicherheit, Rückhalt, Zuverlässigkeit … von Menschen, die mir was bedeuten, v.a. beim Partner
  6. Sport/Musik/Bücher/Lesen, … generell: Dinge, die Spaß machen
  7. Reisen, andere Eindrücke, andere Kulturen & Menschen kennenlernen
  8. Ruhe/Stille/Einsamkeit/Natur zum Zurückziehen und Sport treiben
  9. Mittel zum Ausdruck der Kreativität (“Notizblock, Blog, Kamera, Diktiergerät, …”)
  10. Struktur/Pläne/Sauberkeit/Ordnung und ein bisschen Genuss… (“bitte möglichst wenig Drama, wenig Chaos…” – Genuss: z.B. lecker Essen gehen, einen guten Film ansehen… )

Irgendwie ist’s ganz schön schwer auf 10 Dinge zu kommen, weil der 1. Punkt der wichtigste Punkt der Liste ist, oder doch der 2te?  Ohne Freiheit, Frieden und Co. UND Gesundheit ist alles Nichts. Ohne Geld, ist auch vieles nicht möglich. Damit meine ich nicht so Sachen wie die Möglichkeit sich ein Smartphone zu kaufen, sondern sowas, wie sich vernünftige Gesundheitsvorsorge leisten zu können, ein Dach über den Kopf zu haben, etc. Alleine durchschlagen kann man sich notfalls länger, wenn es sein muss. Das ist zwar alles andere als toll, aber es ist machbar…

Minen

January 18th, 2012 || 0 comments || permalink

Manchmal sitze ich immer noch hier rum, und die Bilder im Kopf lassen mich nicht los, denn die haben sich eingebrannt. Nicht im Sinne einer Traumatisierung, sondern einfach nachdenklich gestimmt. Die letzte Reise hat mich nachhaltig verändert; ich kam als anderer Mensch wieder.

Wenn man Bilder im Kopf hat von einer Straße, die sich durch Gebirge schlängelt, rechts von einem sich Berge befinden, links vor einem liegt Wald, der sich bis ins Tal erstreckt. In diesem Tal schlängelt sich ein Fluss entlang, der eine unglaublich schöne Farbe hatte, die mir so noch nie unterkam: türkis-blau-grün, ganz klares Wasser und der Fluss ist eingebettet in einem Bett aus hell-grauer, fast schon weißer Steine… Schön. Unberührt. – Im Vordergrund vor dem Wald, entlang der Straße befindet sich ein flatterndes Band, halb zerrissen und die Minenwarnschilder. – Es gibt nur einen Ausdruck der das das Ganze – falls Worte es überhaupt auch nur in Ansätzen vermögen zu übermitteln – treffend beschreiben kann: “ganz große Scheiße”.

Man muss sich ja fast verändern, wenn man solche Eindrücke gesammelt hat, in Deutschland ist man jetzt nicht an Minenwarnschilder neben der Straße gewöhnt. Man hat über die Landminengefahr gelesen, man hat gelesen was man tunlichst meiden sollte etc.; aber es ist nochmal was anderes dann tatsächlich an Straßenzügen, die von Minenwarntafeln gezäunt sind, entlangzufahren. Genausowenig sind wir hier daran gewöhnt, dass man nicht einfach auf den Seitenstreifen ausweichen kann, Grasflächen nicht einfach so betreten kann, die festen Wege nicht verlassen kann, und den Wald meiden sollte. – So ganz grob zusammengefasst. – Wenn große Flächen von wunderschöner Natur für die nächsten ~80-100 Jahre gemieden werden müssen, weil Minen rumliegen können, dann ist das einfach nur bitter. Wenn die Bevölkerung diese Orte aber oft nicht meiden kann, weil Landwirschaft betrieben werden muss, dann ist das weit entfernt von bitter, und ich kenne kein Wort, welches dies auch nur im Entferntesten beschreiben kann – und so ‘ne verdammte Landmine hält in etwa 100 Jahre.

Aber das ist alles nur ein kleines Fragment der Eindrücke, der Bilder, die ich auf der Reise so gesammelt habe. Eindrücke, die nicht alltäglich, ziemlich einprägsam sind; und die eben nachdenklich stimmen. An dieser Stelle möchte ich auch mal auf die Organisation MgM – Menschen gegen Minen aufmerksam machen, eine Organisation, die sich um Humanitäre Entminungsarbeit kümmert. Kurzinfo/Interview gibt’s beim ZDF.

Wenn ich übrigens lese, dass in Ungarn, bzw. generell so ein paar (süd-)osteuropäischen Ländern die Demokratie immer mehr beschnitten wird (mehr als in Deutschland), der Nationalismus und Populismus mehr Anhänger findet, dann wird mir schlecht.


YouTube Direkt 
The Two – They don’t care about us (Cover Michael Jackson) / Live acoustique RCS#19

 

(Nein, ich möchte hier keine Diskussion auf dem Blog haben. Nein, ich möchte keine Vorträge darüber hören, dass man ja nicht [Argumente hier] könne und ob ich nicht “an einem schönen Ort, Malediven vielleicht, oder so”, Urlaub machen möchte. Nein, Rechtfertigungen im Stakkato möchte ich auch nicht von mir geben müssen. Ja, es zieht mich wieder runter. Nein, keine Sorge, ich pass’ schon auf mich auf und werd’ schon nicht in Minen oder Sprengfallen tappen.)

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