Nachdem meine liebe Freundin das Fricklen mit Motion und ich ihre Flüche über eben dieselbe Software leid bin haben wir beschlossen es mal mit IP-Cams zu versuchen. Also Kameras, die am einen Ende Licht empfangen und am anderen Ende Bilder und Video per TCP ausspucken.
Ideallerweise besorgt sich die Kamera ihre IP per DHCP, lässt sich im Webinterface auch mit etwas anderem als dem IE 6 bedienen und verwendet hinreichend freie Videostandards wie MotionJPEG oder H.264.
Erster Kandidat war eine Linksys WVC54GCA. Die Kamera ist recht günstig, leidlich schick und auch sonst recht toll. Sie unterstützt Bewegungserkennung, verschickt Emails und erledigt alles sonst was man an Schnickschnack so haben will.
Einziges Problem: Die Kamera fällt gelegentlich aus dem Netz. Als erster Schuldiger wurde das schon recht zerschlissene Netzwerkkabel mit teilweise aufgerissener Plastikhülle ausgemacht. Daher wurde beim Onlinedealer der Wahl ein neues Kabel bestellt. Zu den Preisen für Netzwerkkabel bei diversen Versendern und lokalen Ketten wie Mediamarkt könnte ich noch einen extra Rant schreiben, bin aber gerade zu faul. Nur soviel: ich habe mal gelernt daß alles über einem Euro pro Meter zu teuer ist. Was sich nicht ganz mit 20 Euro für 3 Meter verträgt. Auch wenn da die Kontakte goldbedampft sind.
Mit dem neuen Kabel wurde die Situation leider nicht besser. Auch das gelegentliche Resetten der Kamera mit einer Zeitschaltuhr brachte uns nicht weiter, da auch fünf Minuten Stromentzug die Kamera nicht zuverlässig zurück ins Netz holen. Auch die Vergabe einer statischen IP brachte nicht wirklich was. Neugieriges Mitsniffen was die Kamera nach einem Reboot so von sich gibt zeigte DHCP-Requests (was? bei statischer IP? bist du dir sicher Kamera?) und lustige Pakete die auf Multi-Cast und Apple-Dinge hindeuten. Einzig und allein antwortete die Kamera auf keine der “erwähnten” IPs.
Daher wurde als zweiter Kandidate eine Axis M1011-W besorgt. Diese Zeit ein recht gemischtes Bild: recht gute Bildqualität aber frickelige Montage und Konfiguration. Die Schwierigkeiten bei der Befestigung liesen uns dann auch den WLAN-Modus der Kamera testen. Nachdem der hochsichere und längst vergessene MAC-Adressen-Filter des Access-Points umgangen war tat das WLAN, die Kamera zeigt jedoch immer wieder Bildaussetzer. Beobachtung über längere Zeit zeigten etwa 20 Prozent Paketloss, so daß die Kamera strotz der resultierenden Stolpergefahr wieder an ein Kabel gebunden wurde.
Auch die zweite Kamera bietet eine Bewegungserkennung, inklusive Upload auf einen FTP-Server. Bei genau dieser Funktion zeigte sich heute morgen dann eine gewisse zeitliche Verwirrtheit der Kamera. Der Live-View zeigt zwar das Datum von heute und die korrekte Uhrzeit, Bilder der Bewegungserkennung tragen aber in der Einblendung und im Dateinamen das Datum von gestern. Irgendwie tut die NTP-Implementation da nur so begrenzt was sie soll…
Der Versuch das Datum per Hand zu setzen brachte dann den nächsten amüsanten Bug zu Tage. “1969-12-13 10:00:04″ oder so ähnlich lautete die Anzeige nach dem Reboot (warum auch immer eine Zeitumstellung einen Reboot benötigt). Unix-Kennern wird auffallen daß es sich dabei um einen kleinen negativen Unixtimestamp handelt. Auch der Blick in das Dateisystem der Kamera sieht sehr unixartig aus. An welcher Stelle die Kamera sich beim Eingeben einer Uhrzeit ohne Sekundenangabe aber dergestellt verrechnet blieb dann aus Zeit- und Lustmangel doch unerkundet. Das das Webinterface aber anstelle von Datum und Uhrzeit gelegentlich die Formatstrings “%F %T” anzeigt lässt aber fast vermuten daß man hier das ein oder andere Schmankerl im Quelltext finden dürfte…
Am Ende bleibt mal wieder die Frage: Gibt es IRGENDWAS in der IT was halbwegs bugfrei und intuitiv zu bedienen ist?



Kommentare
owl: *neid* Ich glaube das Ruhigste und Dunkelste,...
Mao-B: Dann solltest Du mal hoch auf die friesischen...
owl: Ja, eben, normal… Aber dennoch –...