Sinnvolle Fähigkeiten

October 8th, 2011 || 0 comments || permalink

Ich verstehe jetzt geschriebenes und gesprochenes gebrochenes Deutsch und Englisch. Liest sich zwar manchmal so, wie ich mir Griechisch vorstelle, aber wenn man kreativ ist, errät man meist, was der andere meint. In 99.9% aller Fälle liege ich damit richtig. Sozusagen Hand-und-Fuß-und-was-der-Kopf-draus-macht-Kommunikation.

Ich kann jetzt, nachdem ich 2x11h + Verspätung + im Land mit dem Bus (nochmal ~9h) herumreisen hinter mir habe, übrigens in so ca. jeder beliebigen Position schlafen: halb sitzend, halb liegend quer über 2 Sitze, dabei die Beine auf dem Boden, und dann halt mit Knick in der Hüfte, und Kopf auf dem Rucksack (sozusagen einmal in der Mitte abgeknickt – ich, nicht der Rucksack), oder aber mit angewinkelten Beinen quer über 2 Sitze, oder aber mit einem Vordersitz in der Kniescheibe, sodass man nach 11h das Gefühl hat, dass die Kniescheibe ca. 5 cm in Richtung Oberschenkelknochen gewandert ist, und nun “umgesiedelt” wurde. Das Gefühl gibt sich übrigens so ca. nach 1,2 Tagen wieder.

Außerdem kann ich jetzt, mit ca. 37 kg Gepäck auf dem Rücken, in den Cargohosentaschen, in den beiden Taschen, die ich in den Händen hielt, und mit dem kleinen Daypack in der schwangerne-Frau-Haltung-am-Bauch auch von den hintersten Gleisen des Würzburger Hauptbahnhofs bis zu den Bussteigen rennen. In unter 3 Minuten. YAI. Ich fühlte mich zwar bei jedem Schritt, als würde ich um 20 cm schrumpfen, aber ich glaube ich bin noch genauso groß wie zuvor. Ich habe aber nicht nachgemessen.

Geduld und Ruuuuuuhe in so ca. jeder erdenklichen Situation habe ich mir auch zugelegt. Ich war schon vorher ruhig, aber jetzt? – Ich glaube, das ist eine extrem sinnvolle Fähigkeit in vieeeeeelen Situationen. Egal ob man an der Supermarktkasse ansteht, in Zagreb auf einem Bus wartet, man 1200 km in 4 Tagen mit einem unbekannten Mietwagen über unbekannte Straßen fährt ohne Plan zu haben wie gut/schlecht die Straßenverhältnisse sind, im Job darauf wartet, bis das Windows  sich neu gestartet hat, und ob der Neustart {welchen Fehler auch immer} beseitigt hat. Ruhe und Geduld sind wichtig. Finde ich.

Ich habe festgestellt: ich bin zäh und ziemlich genügsam. 2 Sterne Hotel? – Ok, dann waschen wir die Klamotten halt in einer 4,8l-Plastik-Tupperbox. Hostel? – Auch kein Ding. 4-Sterne-all-inclusive-Hotel? – Auch ok.

Außerdem habe ich unter Beweis gestellt, dass ich mich a) orientieren kann, egal wo ich bin, b) mit quasi jeder beliebigen Situation zurechtkomme(n (lernen) kann), c) ich sehr, sehr gut planen (und recherchieren) kann. Auch dies sind äußerst nützliche Fähigkeiten.

Kaffee

October 4th, 2011 || 2 comments || permalink

Normalerweise – bevor ich nach Kroatien gereist bin – konnte ich nur 2 Tage am Stück hintereinander Kaffee trinken – so ‘n Senseotässchen, und dann nur mit gaaaaaaanz viel Milch, außerdem nur mit Aroma. Und eben nur 2 Tage am Stück hintereinander, sonst konnte ich nicht mehr schlafen.

Nach nur ein paar Tagen Kroatien konnte ich ca. 1l starken, kroatischen Kaffee trinken. An einem Tag. Täglich. – Und ich kann trotzdem schlafen wie ein Stein. Jetzt, wieder in Deutschland, erscheint mir deutscher Kaffee wie eine unglaublich milde Plörre. Ich bin hier auf Espresso umgestiegen und trinke diesen schwarz und mit wenig Zucker. Huch.

Dafür ist mein Wassergeschmack auch “verdorben”. – Ich trinke nur noch Leitungswasser.

25.5h

October 3rd, 2011 || 10 comments || permalink

  • Lanterna, 07.00: Kaffee + Melone im Hotel
  • Lantera, 07.15: auschecken, Taxi nach Porec
  • Porec, 07.30: Frühstück in Form eines Sandwichs aus dem Lunchpaket
  • Porec, 08.00: in den Bus nach Zagreb springen
  • Zagreb, 12.36: ankommen. Rucksack beim Securitylocker abgeben. Mit einem Freund durch die Stadt laufen. Mittagessen. Weiterlaufen. Kaffee trinken. Zum Busbahnhof laufen. Freund verabschieden, denn dieser trifft sich noch mit einer gemeinsamen Bekannten (aus dem Animationsteam in Lanterna). Abendessen – Cevapi – in Zagreb.
  • Zagreb, 18.30: Gepäck abholen, Gepäck in den Bus verfrachten. Der Bus ist proppenvoll. Neben einem Lagerarbeiter, der auch nach Nürnberg will, gelandet. Gequatscht. Gefahren. Gepennt. Passkontrollen. Kroatische Busse werden immer kontrolliert.
  • irgendwann kurz vor Mitternacht, irgendwo zwischen Slowenien und Österreich, oder wars schon Österreich? – Mitternachtssnack: ein Apfel, der von Lanterna mitgereist ist, vernichtet.
  • Autobahn in Höhe der Autobahnabfahrt Eichstätt: zum zweiten Mal in DE die Augen wirklich geöffnet. Musik auf den Ohren.
  • Nürnberg, gegen 06.20: Aussteigen. Jemanden gefunden, der mich mitsamt Gepäck zum Bahnhof fuhr. Im HBF einen Bayernticketmitfahrer gefunden (oder vielmehr: er mich). Kaffee aufgesammelt.
  • Nürnberg, 07.04: in den Zug gestiegen. Kaffee geschlürft. Mir sagen lassen: “Sie stinken wie ein Schwein und eingesaut hamse sich auch.” – Herzlich Willkommen in Deutschland. Unhöflichkeit habe ich nicht vermisst. Den Menschen, der nach ~24h Reise nach Veilchen duftet, möchte ich sehen. Musik auf den Ohren.
  • Würzburg, 08.15: 2 Minuten Zeit um von einem der hintersten Bahnsteige zum Busbahnhof zu kommen. 37 kg Gepäck (inkl. Kleidung+Schuhe) schleppe ich mit mir rum. Ich laufe schnell, versuche das Unmögliche: den Bus, der in 2 Minuten fahren soll, zu erwischen. Hauptbahnhofsausgang: ich fange an mit den 35 kg Marschgepäck in Form eines großen Tourenrucksacks auf dem Rücken, eines kleinen Daypacks (“Vorderseite”), einer Tasche voller Essen und einer Plastiktüte mit Kalender in den Händen, zum Bus zu rennen. Es gelingt. Der Bus steht noch da. Ich springe rein. Der Bus fährt ab. Plausch mit dem Busfahrer. Anerkennende Worte. Er hält mich wohl für ein bisschen durchgeknallt, aber auf positive Art und Weise. Heimfahren.
  • Zell, 08:45: 25.5h nach der Abreise im Hotel komme ich in meiner Wohnung an. Erstmal Kaffee. Ich stinke zwar wie ein Schwein, aber ich bin glücklich. – Ohrwurm im Ohr: Zaz – Je Veux

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