Langsam mal ankommen

October 25th, 2011 || 0 comments

So langsam scheine ich wieder hier in Würzburg anzukommen. Das Fernweh packt mich immer noch, beinahe täglich, aber ich gebe ihm seltener nach – ich kenne inzwischen schon zu viele Strecken in Mainfranken auswendig, sie sind also auch nicht mehr neu und spannend. Dann kann ich mir den Sprit auch sparen.

Ich habe mal eben nachgeguckt: 10 von 12 Wochenenden müsste ich seit Anfang August “weg” gewesen sein, also nicht in Würzburg. Huch, so viel! Die Zahl hat mich selbst überrascht. Was ich – jetzt, da ich mal so ca. 1,5 Wochen am selben Fleck lebend – nicht vermisse ist das Packen. Es tut gut mal aus der Pack-Routine auszubrechen. Kein “Sonntagabend heimkommen, Klamotten aus dem Rucksack, rein in die Waschmaschine, am nächsten Morgen Waschmaschine anschalten und programmieren, nach der Arbeit die frisch gewaschene Wäsche aus der Maschine nehmen, aufhängen, trocken lassen und dann wieder in den Rucksack stopfen” mehr. Für ein paar Wochen zumindest, dann fahre ich mal wieder zu meinen Eltern. :-)

Das, womit ich allerdings immer noch Probleme habe, ist die Mentalität, die hier vorherrscht. An die habe ich mich immer noch nicht wieder gewöhnt. Neulich habe ich in dem Reisebericht “Die Stille ist ein Geräusch – Eine Fahrt durch Bosnien” von Juli Zeh diese Zeilen (S.94) gelesen:

“Seit Tagen gelingt mir nicht mehr, das Böse als Ausnahme von der Regel des Guten zu begreifen. Unterschwellig wächst die Angst, irgendwann zu verstehen und nie wieder vergessen zu können, nicht mehr in der Lage zu sein, ins eigene Leben zurückzukehren. Aus Versehen könnte ich Mitglied werden bei jenem kleinen Verein von Menschen, die sich unablässig die Welt anschauen, zusehen, wie alles grundlos zwischen Gut und Böse pendelt. Als Beobachter und Boten des Unerhörten werden sie zu Einzelgängern, die sich mit Familie und besten Freunden nicht mehr verstehen. Auch untereinander haben sie nicht viel gemeinsam. Sie liegen in kleinen Hotelzimmern in allen Teilen der Welt und lesen in Büchern, die solche wie sie für solche wie sie geschrieben haben. Niemand sonst würde das freiwillig lesen.”

Das, was mich davon abhält, als ein solcher einzelgängerischer Weltenwander zu enden, ist die Tatsache, dass ich weder ein Politik- noch ein Journalismusstudium habe und auch keine Ausbildung zum Dokumentarfilmer oder -fotografen habe. In irgendwelchen exotischen Dingen wie beispielsweise Orientalistik, oder Friedens- und Konfliktforschung bin ich auch nicht ausgebildet. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ich irgendwann, eines fernen Tages, tatsächlich mal wieder in meinem Leben ankommen könnte. Vielleicht.

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