Welcome to Germany

October 5th, 2011 || 4 comments

Also die Ankunft in Deutschland steht echt unter keinem guten Stern…

In Nürnberg erstmal mit den freundlichen Worten “Sie stinken wie ein Schwein und eingesaut hamse sich auch” begrüßt worden. Dann, am Nachmittag versuchte ich in Deutschland wieder anzukommen: ich lief stundenlang herum, habe mich auf eine Wiese geschmissen und ‘nen Schulterstand gemacht. Auf der Wiese. Wobei – eigentlich war der unfreundliche Kerl nicht der erste Mensch, der mich willkommen hieß, aber der erste Deutsche, mit dem ich Kontakt hatte. Die Kroaten, die mich in Nürnberg willkommen hießen um das mittransportierte Laptop+Handy entgegen zu nehmen, waren sehr freundliche, herzliche Menschen und fuhren mich nachts gegen 06.30 vom Busbahnhof zum Hauptbahnhof…

Am nächsten Morgen habe ich dann erstmal so ein bisschen Kühlschrankinhalt gekauft – Obst und so Kram. Im Supermarkt auf so ‘nen jammernden zu-lange-in-Deutschland-lebenden Kerl getroffen, der a) mich, b) die Kassiererin vollschwatzte und sich beschwerte, dass die Tomaten nicht ausgezeichnet seien. Ach Gott. – Ich versuchte der Kassiererin mein Bedauern kund zu tun, und scheiterte kläglich – meine Worte stießen auf taube Ohren. Das nächste Mal übe ich mich wieder im mit-der-Wand-sprechen. Mein Magen mochte mich nach dem Mittagessen auch nicht mehr. Der fand nach 2 Wochen frischem Essen in-Deutschland-gekauftes Tiefkühlessen plötzlich absolut doof. Ist jetzt nicht so, dass ich 08/15-Billig-Fertigfutter essen würde – das mochte ich vorher nämlich schon nicht.

Am Mittwoch sahen meine Arme aus, als hätte ich die Beulenpest. Ich hatte viele kleine Stiche in den Armen. Mein erster Gedanke: “Scheiße, Flöhe!?!” – Eine kurze Inetrecherche ergab: nein, Flohbisse sehen fieser aus. Irgendwelche Milben verursachen sowas schon eher – sagten die Bilder im Inet. Am Nachmittag mal zur Apotheke gegangen, meine Arme vorgezeigt, der Apotheker meinte daraufhin: “lagen sie die letzten 1-2 Tage auf einer Wiese, und hatten ein T-Shirt an, das bis hier *deut* ging?” – “Ja.” — Grasmilbe. Sehr beliebt dieses Jahr, oder vielmehr: bei den Menschen verhasst, aber die Grasmilben lieben die Menschen dafür dieses Jahr umso mehr. Ungefährlich, unspektakulär, und nicht sonderlich hartnäckig, nicht “ansteckend” – soweit schonmal gut. Kortisonsalbe und der Spuk sollte bald vorüber sein. Der Spuk der defekten Küchenschrank-Unterbaulampe (oder wie immer man das Ding nennen will) ist jetzt auch vorüber. Nach großem Hin-und-Her, welches fast ein Jahr dauerte, mit der Hausverwaltung kam heute der zuständige Mensch im Auftrag der Hausverwaltung mit einer ebensolchen Leiste vorbei. Nachdem er zur vereinbarten Zeit +15 Min nicht auftauchte, habe ich ihn mal angerufen: er hatte mich vergessen. Wir einigten uns darauf, dass er dann später kommen würde. Und voila: es wurde Licht! Endlich!

Ich bin gespannt was die nächsten Tage für unerfreuliche Dinge passieren. Ich bin optimistisch, dass diese unerfreulichen Dinge passieren werden, und nicht nur das Wetter schlecht wird. Bei manchen Sachen traue ich mich fast wetten, dass sie passieren werden – aber wenn dem so ist (und wie gesagt: alles andere würde mich überraschen), dann ist’s in dem Fall auch nicht schlimm, sondern lässt nur eine schnellere und genauere Einschätzung der Lage zu. Bis dahin sorge ich mal dafür, dass mein Magen wieder was zu Murren hat, und esse abermals TK-Futter. Der Stress heute ließ nichts anderes zu. Leider.

Wenn ich mich in meiner Wohnung so umgucke, sehe ich immer noch den Rucksack, den ich zum Auslüften an den Küchenschrank gehängt habe, herumhängen. Weiter sehe ich den Verhau auf meinem Wohnzimmerboden. Der “Verhau” ist der Inhalt des Küchenschranks, den ich ausräumen musste, weil man den Schrank u.U. hätte abnehmen müssen, um die Kabel der Lampe verlegen zu können. Wenn ich mich weiter umgucke, sehe ich 2 Wäscheständer mit frisch gewaschener, trockener Wäsche. – Ich frage mich ob ich nicht die Kombination “frische Wäsche”+”Rucksack”+”du kannst dieses Jahr noch 72 Tage ohne Visum in Kroatien verbringen” nutzen soll, und abgesehen davon: ich hab’ am Speicher noch so ‘nen Karton oder zwei… “Karton”+”Geschirr”? :-) Das Fernweh hat mich wieder. Oder ich habe das Fernweh wieder. – Die Henne-Ei-Problematik, wissenschon. Ganz abgesehen davon: ich fühl’ mich fremd und nicht willkommen im “eigenen Land”. Musste ich jetzt mal so explizit so sagen. Worüber nörgeln wir Deutschen eigentlich unentwegt…?

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|| 4 Responses to Welcome to Germany"

  • Tom says:

    Die Deutschen (also viele, nicht alle) sind halt einfach davon überzeugt, die größten, besten und wichtigsten zu sein. Da bring ein fehlendes Preisschild dann schon mal das normale Leben durcheinander. Schließlich war das so nicht geplant und geregelt. Weder Gesetzt noch DIN gestattet das den Tomaten! ;)

  • owl says:

    Ich weiß solches Verhalten nur noch begrenzt zu kommentieren. Bringt ja eh nichts. Ich schüttele nur innerlich den Kopf und versuch’s besser zu machen. Gelingt mir (hoffentlich) auch, glaube ich. — Aber das ist auch so ‘ne Sache: Eule vs. Tourist: der Tourist beschwert sich über starken, kroatischen Kaffee – ich trinke ihn anstandslos, oder – wenn mir nicht nach starkem Kaffee ist, trink’ ich halt keinen Kaffee. Der Tourist beschwert sich über zu harte Sitze, meckert/beschwert sich – ich setz’ mich hin, packe mir notfalls mein aufblasbares Kissen unter den Hintern und halt’ die Klappe. Wenn ich mich so ca. 70-jährigen ggü. zu alt fühle, sollte ich mir Sorgen machen, oder?

  • Tom says:

    nö, wir müssen uns keine Sorgen machen nur weil wir entspannter sind und vieles lockerer sehen. :)

  • owl says:

    Danke Tom :D Jetzt geht’s mir gleich besser. Hehe.

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