Ah, Deutsche!

May 27th, 2011 || 1 comment

Ich war mal wieder ein paar Tage in Kroatien. Ein tolles Land. Diesmal war ich in der Nähe von Porec. Mit mir fuhren weitere 45 Personen, 2 davon waren mir schon vor der Reise bekannt, und alle – wirklich ausnahmslos alle – waren älter als ich. Deutlich älter. Man könnte auch sagen: die “nächstälteren” waren mind. 20 Jahre älter ^^

Anyhow, darum gehts jetzt garnicht. Es geht um das Verhalten geschlechtsreifer Deutscher im Speisesaal/in der Lounge/Bar. Meine Fresse, was bin ich froh, dass ich kein “normaler” Deutscher bin. Also nicht nur, dass ich zu mancher Tages- oder eher Nachtzeit am liebsten im Erdboden versunken wäre und/oder meine Staatsbürgerschaft gerne gewechselt hätte (die Bar war hin und wieder ein wahrlich geeigneter Ort für Fremdschämen), nein, auch im Speisesaal klappte das über-die-Deutschen-wild-den-Kopf-schütteln immer wieder ohne größere Probleme.

Wir hätten da z.B. die folgenden Szenarien im Angebot (nur heute):

  • gestern in der Bar: irgendso ein von sich selbst sehr überzeugter Schnösel/Tennisspieler, der sich für den Mittelpunkt des Universums hielt (und vermutlich immer noch hält), so dermaßen egozentrisch und selbstverliebt war, dass mir gestern gerne das Abendessen hochgekommen wäre…Egozentrisch, egoistisch, arrogant, laut, dumm, “geschleckt” und “hip”, wie er da mit seinem Kumpel oder was-auch-immer-das-war auf der Couch mit dem Laptop saß. Es würde mich echt nicht wundern, wenn der Typ so ein “”"angesagter, erfolgreicher, aufstrebender”"” Web 2.0-Schnösel gewesen wäre. Wirklich nicht.

    Wieso ich mich so aufrege? Weil ich Leute, die dann mit Gönnermiene, die selbst ich sozial etwas blinder Nerd erkannte, nicht ausstehen kann. Anders gesagt: diese Miene brüllte mich sozusagen so sehr an, dass mir die Ohren fast weh taten… Was noch viel schlimmer war: “Geeei, <Vorname-der-Bedienung>, komm a moi her. I hob do no a weng a la wos für di” *Gönnermiene auf 150% und selbstgefälliges Grinsen ob seiner Spendabilität, Blick in die Runde* – Ich hätt’ ihn abwatschen können, hätte ich. Es dauert a weng, bis man mich dazu bringt, meine stoische Gelassenheit abzulegen.

    Innerlich bin ich in diesem Augenblick ein klein wenig gestorben, äußerlich habe ich mich an meinem Pina Colada festgeklammert, und habe versucht auf der Couch zwischen die Polsterritzen zu kriechen. Gott, fremdschämen kann so grausam sein. Dann habe ich mein bestes Kroatisch hervorgekramt und meine freundlichste Miene, zu der ich in der Lage war. Ich hoffe ich konnte den Ruf der Deutschen oder Deutschsprachigen ein bisschen retten. Bitte, bitte, bitte.

 

  • Speisesaal/an den Tischen: Leichenbittermiene. Zusammengekniffene Augen, hängende Mundwinkel, Leichenschmausstimme. Ja, so muss Urlaub sein. In solchen Augenblicken muss ich mir Kommentare echt sehr verkneifen: “Also Ihrem Blick nach zu urteilen müssen sie aus Deutschland kommen. Machen sie es doch mal wie die
    Südländer: einfach lächeln.”

 

  • Speisesaal/am Büffet, wenn manche Deutsche gedrängelt haben: “Schon
    lustig. Manche Leute verhalten sich hier wie auf deutschen Autobahnen. Sie *anguck* sind demzufolge Deutscher, nüch?”

Abgesehen davon kam ich mir vor, als wäre ich so quasi die einzige Person, die weit und breit wenigstens ein paar Wörtchen Kroatisch beherrschte. Ja, ich weiß, die Aussprache ist schwer. Ja, ich weiß, man kommt mit Deutsch und/oder Englisch weiter. Aber wenn ich in ein fremdes Land reise, will ich den Bewohnern dieses Landes meinen Respekt für ihre Person, ihre Kultur, ihr Land auch in Form von Sprache ausdrücken. Wenn ich schon nur das Nötigste (“Guten Morgen, Guten Tag, Guten Abend, Auf Wiedersehen, Bitte, Danke”) beherrsche, dann will ich das wenigstens anwenden. In der Regel freut das die Einheimischen, wenn es Touristen gibt, die sich immerhin Mühe geben…

Wenn ich mir die deutsche Mentalität mit der kroatischen, die mir so begegnete, so vergleiche, weiß ich, was ich bevorzugen würde. Ich würde jetzt mal sagen, dass ich nicht gerade wenig davon kennengelernt hatte, denn ich habe einige Kilometer “auf der Straße” zurückgelegt und bin unter Leute gegangen, auch fernab vom Hotel. Deutsche sind scheinbar ziemliche Hektiker, die mit Leichenbittermiene geboren worden sind, nichtmal im Urlaub relaxen können, und geistig etwas unflexibel sind. Die Kroaten sind dagegen scheinbar offener, entspannter, und genießen mehr (das Leben). Sie gehen mit einem Lächeln durchs Leben. Sollte man hierzulande vielleicht auch mal probieren. Mein ja nur.

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|| One Response to Ah, Deutsche!

  • Tom says:

    Hm, ich habs schon immer geahnt, aber ich bin anscheinend tatsächlich adoptiert. Denn Deutscher bin ich nach deiner Beschreibung nicht. :)
    Dürfte aber auch ein Generationenproblem sein. Junge Deutsche sind da lockerer und haben die Ich-bin-Deutscher-ich-hab-das-sagen-Mentalität abgelegt.

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