Ich verspreche dem Leser dieses Blogs: ich werde nicht beim allgemeinen großen Hegemann-Hype mitmachen!
Ich verstehe nämlich diesen Hype um dieses Mädel nicht. Oder drastischer ausgedrückt: wie arm muss (Medien-)Deutschland sein, dass sie nach Charlotte Roches Feuchtgebieten das nächste seltsame Buch in den Himmel lobt, nur weil das Mädel, das eben jenes Buch geschrieben hat, es in jungem Alter geschrieben hat und die zweifelhafte Ehre besitzt einen Vater aus der Berliner Kulturszene zu besitzen. Kopfschüttelnd verfolge ich die Nachrichten und frage mich Tag für Tag, in dem die Medien von nichts anderem als Hegemann hier, Hegemann dort quatschen, schreiben und lobhudeln können, was diese an Hegemann finden.
Das “Spektakulärste” an Hegemann ist meiner Meinung nach immer noch die Tatsache, dass sie es nötig hat sich Texte zusammenzuklauen, aber das ist jetzt ja doch eher negativ. Und bitte, wen interessiert ernsthaft ein Buch mit dem unaussprechlichen, und noch schwerer zu merkenden, Namen “Axolotl Roadkill” (ein Axolotl ist übrigens ein mexikanischer Schwanzlurch und mir symphatischer als dieses inzwischen gerade 18-Jahre-alt-gewordene “”"Wunderkind”"”), in dem es um Drogen und Parties geht? Was ein geplätteter (“Roadkill” = überfahrenes Tier…) Schwanzlurch mit Drogen und Parties zu tun hat, erschließt sich mir nicht genau, höchstens, dass dieser Titel wohl in einem Drogenrausch entstanden sein muss, vielleicht auf einer Party… Die Farben (knallepink auf schwarz) sprechen wohl die Sprache von LSD, habe ich mir sagen lassen. Vielleicht sind es aber auch zu wenige Farben, und es könnte eine andere Droge sein. Ich, als bekennender nicht-Drogen-Konsument kenne mich mit so etwas (zum Glück) nicht aus.
Drogen und Parties, maßlos übertrieben: man muss sich das mal vorstellen. Alles in allem verpackt, mit einer Story über eine 16-jährige Schulschwänzerin, die es im Leben nicht so einfach hat. Haaaach, wie schrecklich. Tschuldigung, aber sowas ist bei einigen Menschen Alltag, nur schreiben die nicht darüber! Und Drogen und Parties? – Ja, sowas gab’s in meiner Jugend auch schon, aber wieso sollte man darüber schreiben?
Christine war besoffen, wie jedes Wochenende. Sie kam am Montagmorgen übermüdet und mit Unterteller-großen Augen in das Klassenzimmer, wo sie sich erschöpft auf den Stuhl fallen lies. Christine ist 14, und hatte bereits unzählige Freunde, an das vergangene Wochenende erinnert sie sich nur in Fragmenten – also wie jedes Wochenende. Müde blickt sie sich um, immer auf der Suche nach ihren Freundinnen, die noch nicht da sind, und denen sie unbedingt erzählen muss, wie toll Mark, ihr letzter Freund vom Wochenende, denn küsst. …
Soll ich jetzt anfangen ein Buch zu schreiben, über die Beobachtungen eines Menschen, der nach jedem Wochenende über die Mitschüler-mit-Kater lachen konnte, weil er selbst stocknüchtern war? Etwas drastischer, und somit medienwirksamer ausgedrückt: “Beobachtungen eines Außenseiters: Jugendkultur” Oder bin ich zu alt dafür, und mir wird der Titel “Wunderkind” eh nicht mehr zuteil werden? – Wie jammerschade ich das nun finde! Eigentlich müsste ich das gleich verbloggen, ein Buch darüber schreiben, es mit meinem Psychologen besprechen, einen Film drehen, ein Theaterstück aufführen, und das ganze dann von meinem PR-Menschen vermarkten lassen. Halt nein, es scheitert ja schon am Psychologen, ich kann also niemals medienwirksames Geheule von mir geben, wie arm denn die Welt so sei, und wie sehr mich all dies mitgenommen hat, da mir nie einer attestieren wird, wie kaputt mich das alles machte. Haaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaach! In diesem Sinne: Herr, lass Hirn regnen!


Kommentare
owl: *neid* Ich glaube das Ruhigste und Dunkelste,...
Mao-B: Dann solltest Du mal hoch auf die friesischen...
owl: Ja, eben, normal… Aber dennoch –...