Netzgefrickel

December 15th, 2007 || 0 comments

Hallo zusammen,

wie von meiner Freundin schon angekündigt hier eine kurze Erzählung über den mehr oder weniger erfolgreichen Versuch eine Fritzbox 3170 an einer Arcor Easybox zu betreiben. Doch zuerst ein kurzer Bericht über den Besuch des Telekom-Technikers.

Ich habe also die Wohnung meiner Freundin gehütet da die Telekom so wahnsinnig präzise Zeiten wie 8-16 Uhr angibt und meine Freundin arbeiten musste und sich nicht einfach so den Tag frei nehmen konnte um mal eben abzuwarten ob und wann der Techniker auftaucht. Leicht erkältet hab ich also mit einem Buch und der Heizung gekuschelt bis es dann um ungefähr halb 10 geklingelt hat und eine jugendliche Stimme an der Sprechanlage meinte “deutsche Telekom – in welchen Stock muss ich?”. Als er dann leicht schaufend bei mir unter dem Dach angekommen war hab ich ihn zum Telefonanschluss in der Wohnung geschleppt und gefragt was er denn messen müsse, da die Aussage der Hotlines unverständlich bis falsch gewesen waren. Er hat mir dann erklärt daß er eigentlich garnix messen müsse, daß die Telekom aber aus Prinzip Wohnunganschlüsse bevor sie an einen anderen Anbieter freigegeben werden auf eine andere Amtsleitung “drehe”. Wenn ich dieses Manöver richtig verstehe handelt es sich dabei um nichts anderes als Schikane… Und dieses “Drehen” zu vereinfachen müsse er eine “Ton-Modulations-Gerät” an den Anschluss anschließen damit er die Leitung zur Wohnung im Schaltkasten leichter finde. Sprachs, schloss eine graue Box an die TAE an und verschwand mit den Worten “bin in 10 Minuten wieder da”.

Tatsächlich klingelte es 10 Minuten später wieder und der gleiche Jugendliche (wenn ich mich nicht sehr täusche bin ich mindestens 2 Jahre älter als der Gute) stand wieder da. Leicht keuchend überprüfte er das Leuchten zweier LEDs an seiner grauen Box, zückte sein Handy und berichtete einem Kollegen daß er die Telefonnummer 0931-xxxxxxxxx mit der Leitung 631 gedreht habe. Nach kurzem Warten und Augenverdrehen war der Techniker dann mit der Antwort seines Gegenübers einverstanden, packte seine graue Box ein und zog von dannen.

Da stand ich dann also mit einem theoretisch funktionierendem Arcor-Anschluss. Und was tut man als technikaffiner Mensch, der sich noch an die Zeiten VOR ISDN erinnert? Er nimmt den Hörer des rasch angeschlossenen Telefons ab und läuft auf ein Freizeichen.

Pustekuchen. Eine syntetische Frauenstimme weisst mich an “Geben sie den Modem-Installationscode ein”. Ich krame in den Papieren und werde nach einer Minute eben so freundlich wie syntetisch ermahnt “Der Modem-Installationscode ist zu kurz. Bitte versuchen sie es erneut”. Als ich den Modem-Installationscode endlich in den 50 Seiten Papierkrieg die ein Telefonanschluss heutzutage mit sich bringt gefunden habe, mache ich mich daran die 16 Ziffern (oder sind es noch mehr) möglichst unfallfrei ins telefon zu tippen. Und sie an, es gelingt auf den ersten Anlauf.

Also Auflegen, Abnehmen, Freizeichen? Pustekuchen. Erstmal per UMTS ins IRC um meiner Freundin über den Stand der Dinge zu berichten. Dann einer neuer Versuch und siehe da: ein Freizeichen. Ein kurzer Anruf auf meinem eigenen Handy erzeugt ein Brummen und Vibrieren in der Hosentasche, der Anschluss funktioniert also. Hurra.

Also das Laptop per Patch-Kabel in den LAN-Port der Easybox gesteckt, Link-Leuchte am Thinkpad gesehen, DHCP gestartet und eine IP gehabt. Fein. So muss das sein. Sogar default-Gateway und Nameserver waren richtig gesetzt. (Naja wenn man zensierenden Arcor-DNS als “richtig” beizeichnen mag.) Mit anderen Worten ich hatte Internet. Sehr fein.

Das Standard-Gateway präsentierte mir auch freundlich die Konfigurations-Webseite der Easybox. Einziges Problem: Ich hatte keine Ahnung was nur der verlange Benutzername und Passwort sein sollte. “admin” und leeres Passwort hatten genausowenig Erfolg wie “admin” und “password”. Mangels Lust weiter zu Raten oder einen kleines Shellskript mit wget zum automatisieren Raten zu Schreiben hab ich also kurz das Internet befragt. Dort fand ich schnell das Rätzels Lösung “root” und “123456″. Ok, hätte man drauf kommen können.

Damit wäre für mich die Sache erledigt gewesen, wenn – ja wenn- da nicht die Fritzbox gewesen wäre. Also hab ich den DSL-Port der Fritzbox per mitgeliefertem Kabel an den LAN-Port der Easybox gestöpselt, mein Laptop an einen LAN-Port der Fritzbox gestöpselt, DHCP neugestartet und die Situation begutachtet. Die Fritzbox meinte mir eine IP geben zu müssen (na wenn sie meint) die in einen anderem Subnetz liegt als die die ich vorher von der Easybox hatte (naja besser als DHCP-Server die die gleiche Range verteilen). Außerdem meinte die Fritzbox gleich zwei IPs in diesem Subnetz (.1 und .254) nutzen zu müssen. (Wenn sie unbedingt will – meinetwegen). Webseite lieferte die Fritzbox auch eine aus. Ohne jedes Passwort. Dafür ohne viele Konfigurationsmöglichkeiten. Allerortens der Hinweis daß kein DSL gefunden wurde.

Das widerholte Abklappern der Fritzbox brachte auch keine Möglichkeit zutage den DHCP-Server zu konfigurieren, den Uplink zu definieren oder sonst eine Einstellung zu tätigen um die Fritzbox als etwas anderes als einen reinen DSL-Router zu verwenden. In diesem Zustand war die Fritzbox einfach zu untauglich um als WLAN-Accesspoint und Printserver hinter der Easybox zu funktionieren.

Zwei Mandarinen und einige Internet-Seiten später stand fest daß es mit veränderten Firmwares sicherlich gehen würde. Und daß Fritzboxen wohl auch irgendwie telnet sprechen. Und daß man doch für den Betrieb einer Fritzbox hinter einem Router den DHCP-Server ausschalten müsse (ach neee). An diesem Punkt wollte ich aufgeben und anständige andere Hardware vorschlagen, was meiner Freundin jedoch missfiel.

An dieser Stelle fing ich dann an an der Fritzbox rumzufrickeln. Portscan (warum liefert die Fritzbox auf zwei Highports HTTP-Fehlermeldungen?), Kabeltauschen (er liefert Kabel mit RJ-45 Steckern an den Enden aber nur zwei durchgehenden Adern) Umstecken des Patchkabels vom DSL-Port in einen Lan-Port um zu sehen ob die Fritzbox wenigstens als Switch zu missbrauchen ist. nach einiger Zeit war ich dann soweit, daß ich mit einer per Hand eingestellten IP und per Hand auf die Easybox gesetztem Default-Gateway sowohl ins Internet kam als auch Easybox und Fritzbox per HTTP erreichen konnte. Nicht befriedigend aber hilfreich beim weiteren Basteln.

In meiner Not habe ich also den Knopf “Auf Werkseinstellungen zurücksetzten” in der Fritzbox gedrückt. Eigentlich nur weil es der einzige Knopf in der Konfiguration war, den ich noch nicht gedrückt hatte. Und siehe da, auf einmal konnte man in einem Menü “Ansicht” einen “Experten-Modus” anschalten. Warum man eine fabrikneue Box erstmal reseten muss erschloss und erschliesst sich mir nicht, aber Experten-Modus klang vielversprechend.

Und tatsächlich. Im Experten-Modus kann man den DHCP-Server abschalten, den Uplink auf “bridged IP” setzten, die IP der Fritzbox ins gleiche Subnetz wie die Easybox verlagern, dafür sorgen daß WLAN und Kabelnetz im gleichen IP-Bereich liegen sollen, die IP der Easybox als Standard-Gateway eintragen und die Fritzbox somit von den Fesseln eines DSL-Anschlusses lösen.

In dieser Konfiguration funktionierte dann auch DHCP wieder wie gewünscht. Man bekommt eine IP von der Easybox zugewiesen und wird fröhlich von der Fritzbox zu dieser (und ins große weite Internet) weitergereicht. Auch WLAN liess sich jetzt sinnvoll aktivieren und führte ins Internet. Einziges Manko: der Uplink zur Easybox muss in einem LAN-Port der Fritzbox stecken, der DSL-Port kann nicht verwendet werden, wodurch man einen der 4 Anschlüsse der Fritzbox “verliert”.

Funktionierendes 54Mbit-WLAN im hintersten Winkel der Wohnung und DSL-6000 statt teurem UMTS entschädigen dafür jedoch ausreichend. Auch das Anschliessen eines Druckers an eine Fritzbox gestaltet sich ziemlich schmerzarm. Die Fritzbox erkennt den Drucker (mit einem HP Deskjet 560C und einem Officejet 5500 getestet) und stellt ihn auf ihrer IP auf dem Port 9100 (Jetdirekt) zur Verfügung. Dorthin verwiesen findet Cups den Drucker auch sofort und produziert auch binnen kurzer Zeit eine korrekt dargestellte Testseite. Bei Windows ist das mal wieder etwas komplizierter, da man dem Möchtegern-OS erst klar machen muss daß unter IP:9100 ein Druckeranschluss zu haben ist, den es doch bitte gerne verwenden soll. Warum man einen solchen Anschluss ausgerechnet unter “lokaler Drucker” einrichten muss ist auch etwas unlogisch…

So. Das wars eigentlich auch schon. Fazit der Aktion ist:

  • Verlass dich nie auf Hotlines von Telcos
  • Reboot und Reset sind dein Freund
  • Frickelsolutions allerorten
  • Logik wird überbewertet
  • Hersteller gehen von DAUs aus und machen es intelligenteren Nutzern so noch viel schwerer

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