Gott schreibt: Gedanken zur Religion etc.

September 11th, 2007 || 2 comments

Inspiriert von Lias Kommentar zum Artikel über Gotteslästerung und -verspottung, habe ich mir mal ein paar Gedanken zum Thema Religion etc. gemacht, weil das den Comment-Bereich meines Blogs sprengen würde…

Erstmal die Links

Christentum im Alltag

Lia meinte in ihrem Comment, dass sie darauf wartet, dass Terror-Camps für Christen eingeführt werden… Diese “Terrorcamps für Christen” gibt es doch eigentlich schon, wenn auch in “harmloserer” Form – nennt sich Schule, Beruf…

Das Problem, das ich mit Religion habe, ist, dass Religion einschränkt – und zwar von Geburt an. Man bekommt Werte vermittelt, die einem die Eltern beibringen möchten. In Deutschland z.B. v.a. christliche Werte. Und: man wird meistens getauft, muss/soll zur Kommunion, zur Firmung – oder eben entsprechendes Äquivalent bei den evangelischen Anhängern des Christentums. Zu dieser Zeit kann bzw. darf (und kann) man noch nicht frei entscheiden, welche Religion man ausüben möchte. Im überwiegenden Teil der Fälle übernimmt auch das Kind, das man ja ist, einen Großteil der Werte, die einem vermittelt wurden und werden – u.a. weil das Selbst-Reflexionsvermögen noch nicht sonderlich ausgeweitet ist. Erst mit 14 Jahren darf man (theoretisch) aus der Kirche austreten, bzw. hat das Alter erreicht, in dem man über “seine Religion” frei entscheiden darf. Kurzfassung des Ganzen: das ist doch scheiße!

Selbst vor dem Austritt aus der Kirche (ja, ich bin offiziell Ungläubige) bekommt man noch immer Steine in den Weg gelegt. Beispielsweise Argumente wie: “Ein Kirchenaustritt kann deine Berufswahl einschränken/dir berufliche Nachteile verschaffen”, “Glauben gibt Halt”, oder “Ihr könnt nicht kirchlich heiraten”… >:)

Religionsunterricht

Ich meine: in den meisten/vielen Schulen ist es doch so, dass z.B. “christlicher Glauben” im Fach “Religion” gelehrt wird… Die !(evangelischen,katholischen) werden allesamt in das Fach “Ethik” geschmissen – meistens nachmittags oder zu sonstigen ungünstigen Zeiten…

Aber man kann ja oft, wenn man mit dem Lehrer Kompromisse schließt, den katholischen/evangelischen Religionsunterricht besuchen – obwohl man Anhänger des Islam ist, obwohl man bekenntnislos ist, obwohl man IRGENDEINER anderen Religion angehört.Wird dann halt nicht der eigene Glauben vermittelt, sondern die “christlichen Werte”…

Restlicher Schulunterricht

Genauso das Beten vor dem Unterricht (k.A. ob das immer noch der Fall ist) – aber ein “Vater unser” vor Unterrichtsbeginn? – Ich halte all das schon für eine Diskriminierung anderer Glaubensrichtungen und Anhänger dieser Religionen…

Oder “Schulgottesdienste” – was ist der tiefere Sinn und Zweck davon, z.B. zu Schuljahresbeginn/-ende oder vor “Feiertagen/Festen” (z.B. Weihnachten) in die Kirche zu gehen? Wäre es nicht sinnvoller eine Anrede in einer Aula der Schule zu halten? Oder soll das letztendlich nur ein psychologisch geschicktes Spiel sein, das auf unbewusster Ebene arbeitet, wenn ein Schüler gläubig ist? Ist es letztendlich ein “auch wenn ich keine Ahnung habe, Gott wird mir helfen” und am Ende eine selbsterfüllende Prophezeihung??? Ist das vielleicht Sinn und Zweck der Kirchgänge in Schulen???

Wäre es nicht sinnvoller beispielsweise Diskussionsgruppen zu bilden, in denen Leute unterschiedlicher Religionen/Hautfarben/etc. zusammenkommen, Erlebtes diskutieren, lernen ihre eigene Meinung zu bilden, vorzutragen und eben zu diskutieren? Das wäre auch gleich noch für das Erlernen von Konfliktlösungsstrategien, Umgang mit Kritik und sonstigen Social Skills in Einklang zu bringen. Man kann ja auch darüber reden, wie Rituale etc. in unterschiedlichen Religionen (und zu anderen Zeiten) ablaufen und -liefen. Aber dieses “Christentumsgeschwafel” ist IMHO Humbug und veraltet. Kritisch Denken lernt man auch nicht. Zeug zu hinterfragen? – Pustekuchen! Also schafft es mal ab!

Beruf und so

Ja, man hat mitunter Nachteile im Beruf. Z.B. gibt es hier in der Gegend eine Stelle, die Administratoren sucht. Als Vorraussetzung wird christlicher Glauben und Identifzieren mit den solchen Werten genannt. Ich frage mich: warum soll man an einer katholischen Uni (!!! beheimatet viel Sozialpädagogen und so) als Administrator eines Linux-Servers bitte christliche Werte mitbringen? Rechner anbeten? Fluchen vermeiden?

Genauso gibt es wohl – auch in Deutschland – Wirtschaftsunternehmen, die ausschließlich Christen einstellen. “Es sind einfach die besseren Menschen”… Oh Mann… Ich empfehle eh jedem sich die Doku “Die Hardliner des Herrn” zu Gemüte zu führen…

Über Werte

Sicher, es gibt auch im Christentum Werte, die durchaus Daseinsberechtigung haben, z.B.: nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen…

Nächstenliebe. Ok, ich liebe “meinen Nächsten” sicher nicht, aber immerhin lass ich ihn leben/existieren, Respekt und Akzeptanz ist dann nochmal anders zu verdienen – nur haben das auch die meisten Leute nicht verdient, weil sie schlichtweg und ergreifend die Moral eines Einzellers haben: “überleben, um jeden Preis” – dass sie dabei nicht genug bekommen können und andere Leute rücksichtslos “über den Haufen rennen”, nur weil sie egozentrische Idioten sind und nach dem Prinzip “nach mir die Sintflut” handeln, spielt dabei eine große Rolle…

Genauso: der Großteil der Menschen macht sich nicht die Mühe sich mit anderen zu befassen, hinter die Maske zu blicken… Aber sowas lernt man nicht in der Bibel. Nicht im Koran. Und nicht, indem man sein Sparbuch und Finanzmärkte studiert. Nicht indem man in Schranken denkt. Nicht durch Gesetze. Und schon garnicht durch Strafen.

Stattdessen verstecken sich viele “Christen”, die sich noch für besonders toll halten, hinter mitunter ziemlich veralteten Werten, und hinter ihrem Glauben. Es macht einen Menschen nicht zu einem besseren Menschen, wenn er (jeden Sonntag) in die Kirche geht. Oder wenn er beichtet.

Wobei die Beichte eh eine tolle Erfindung ist. Viele von den mir bekannten Personen (ausführliche Studien in RealLife wurden im Zeitraum der vergangenen 22 Jahren betrieben) leben ein unspektakuläres, ja, recht langweiliges Leben… Oder das andere Extrem: sie führen sich auf wie geistig umnachtete Vollidioten, setzen tagein, tagaus Ellbogen ein um ihre Ziele zu erreichen – ohne Rücksicht auf Verluste. “Vater, ich habe gesündigt: ich habe nicht jeden Sonntag die Kirche besucht.” – Dass die Ehefrau betrogen wurde, der Geschäftspartner durch den Kakao gezogen wurde – das juckt nicht. Wir sind Christ, also sind wir wer… Nein, da hab’ selbst ich als überzeugter “Heide” das mit den christlichen Werten besser verstanden als so manch ein Christ.

Oder fangen wir mal mit den Politikern an, die ja davon schreien, dass “Gotteslästerung” (worunter das Herabwürdigen oder verspotten der Kirche oder Religion) verboten gehört und bestraft werden soll und im öffentlichen Raum Kreuze angebracht werden sollen. Bestraft mit bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe. Für VERSPOTTEN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Einen entsprechenden Gesetzesentwurf gibt es bereits und er liegt dem Bundesrat wohl bereits vor… Diese Politiker, die also (im extremsten Fall) eine komplette Religionskritik (und somit eine freie Meinungsäußerung aus freie Entfaltung der Persönlichkeit) verhindern würden, haben sicher genug Dreck am Stecken. Man beachte z.B. die HARTZ IV-Gesetze (siehe dazu den Gast-Kommentar), die Lügen, die in Wahlkämpfen erzählt werden (SPD: “Mehrwehrtsteuererhöhung? – Nicht mit uns!” -> mit der SPD wurde von 16 auf 29 % erhöht) … Und diese – Politiker – fordern allen ernstes eine “Rückkehr zu christlichen Werten”?! Ganz abgesehen davon, dass ich Lia in ihrem Kommentar zustimmen muss: Politik und Religion gehören getrennt! Genauso wie Wissenschaft und Religion (siehe Kreationismus-Debatte).

Zum Glück sind – laut einer Umfrage der telepolis (“Kruzifixe in allen Schulen, Gerichten und Behörden?”) – ca. 72 % der Befragten (Stand: Mo, 10. 09. 2007, 13:40, 1230 Stimmen) gegen eine solche drastische Änderung (dabei halten 31 % der befragten Personen “schon jetzt die Bevorzugung der beiden christlichen Konfessionen” für “kritisch” – Sie denken, dass gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes verstoßen wird.) Weitere 12 % gehen so weit, zu sagen, dass eine “Antwort auf religös motivierten Terror nicht durch mehr, sondern in weniger Religionsförderungen bestehen kann”…

Freidenkertum und Humanismus

Vielleicht bin ich selbst zu sehr Freigeist, ein Freidenker eben, als dass ich diese Debatte verfolgen kann, ohne dass mir speiübel wird. Seit meiner Jugend befasse ich mich mit der Thematik des “Freidenkertums”. So “wirklich” zum Freidenkertum und Humanismus bin ich eigentlich durch den Film “Der Club der toten Dichter” (Dead poets society) gekommen, der mich dazu veranlasste mich intensiver mit der Thematik auseinander zu setzen. Das hatte bei mir zur Folge, dass ich mich in den Foren des Deutschen Freidenker-Verbands austobte, diskutierte. Das hatte zur Folge, dass ich seit Jahren eine gewisse Affinität zu “ungewöhnlichen” Menschen habe.

Es gibt ein paar einfache Regeln, an die sich jeder Mensch halten sollte:

  1. Den anderen Menschen tolerieren (im Idealfall akzeptieren und/oder respektieren).
  2. Sich selbst weiterentwickeln. Der Mensch ist in der Lage zu denken, über sich selbst nachzudenken. Also sollte man das nutzen.
  3. Der Mensch hat gewisse Fähigkeiten, Talente: nutzen! Nicht jeder ist gleich intelligent, gleich gebildet… Aber auf die faule Haut legen und sagen: “TEAM = toll, ein anderer machts!” und das auf verschiedene Bereiche des Lebens übertragen? – Nein!
  4. Sei ehrlich und direkt, aber greife niemanden sofort persönlich an. Auch wenn du dir denkst: “Junge, du bist so ein Trottel!” – Diskussionen/Meinungsverschiedenheiten kann man im persönlichen Gespräch auch sachlich ausfechten.
  5. “Deine (persönliche) Freiheit endet da, wo die eines anderen anfängt.”

Zu 1: Man muss jemanden nicht mögen. Aber leben lassen. (Manche mehr, andere weniger… ;) Sprich: keine Gewalt anwenden.
Zu 2. und 3.: man sollte seine Fähigkeiten dazu nutzen, zu erkennen, was man selbst möchte. Man SELBST hat SEIN Leben. Man lebt nicht das Leben eines anderen, und umgekehrt lebt keiner sein eigenes Leben. Also mach’ was aus DEINEM Leben. Mach’ es einzigartig und hab’ Spaß dabei! Verwirkliche DEINE Träume. Nicht die eines anderen. Lass’ dir nichts aufdrängen, das du nicht magst! Kurz: mach’ dein eigenes Ding!
Zu 4: Sag’ jemanden direkt ins Gesicht, wieso du ihn nicht leiden kannst, etc. – nicht über Dritte. Und versuche zumindest fair zu bleiben. “Du bist ein Idiot, weil ist halt so” ist keine Begründung… “Ich kann dich nicht ausstehen, weil du nichtmal die einfachsten Dinge hinkriegst, z.B. dich an Zeitangaben halten,…” ;)
Zu 5.: Ich meine mit persönlicher Freiheit z.B. “stehl nicht, betrüge niemanden, tu’ keinem (absichtlich) weh (emotional wie physisch) / töte niemanden (nur im Extremfall, d.h. wenn du angegriffen wirst), …” – Nicht dazu zählt Kram wie beispielsweise Kleidung. Mach’ was du willst! Wenn jemanden nicht passt, was er sieht (z.B. wenn du 150 kg verteilt auf 160 cm wiegst und denkst, dass dir Spaghettiträgertops mit bauchfrei sicher prima stehen) soll er weggucken – aber lebe damit, dass es dem anderen u.U. nicht gefällt.

Regeln und Gesetze sind von Menschen gemacht. Religionen ebenfalls. Man kann nie mit Gewissheit sagen, dass das, was “gepredigt” wird, sich tatsächlich so ereignete, richtig überliefert wurde etc. (Fast) Jede Religion erhebt den Anspruch die “einzig wahre” zu sein, aber es kann kaum eine “einzig wahre” geben, wenn es mehrere Religionen gibt… Kurz: Religionen sind von Menschen geschaffene Schranken… Brecht aus! Oder lasst es bleiben. Wobei ich eben der Ansicht bin, dass Schranken Mist sind; …dass man hin und wieder sein Weltbild überdenken sollte und sich Gedanken über die Welt, das Universum in den ganzen Rest machen sollte… :)

Ganz davon abgesehen:

Wozu noch Religion?

Sie ist veraltet. In der Religion wird meist “eine” höhere Gestalt angebetet, im Christentum gibt es eben nur “den einen Gott”…

Warum? Im Namen der Religionen wurden Kriege geführt, es wurden Leute hingerichtet, gefoltert, gequält. So toll kann Religion nicht sein, wenn man anderen sein Weltbild aufzwängt.

Es werden einem Chancen verbaut. Es werde einem von klein auf Werte vermittelt, die andere für erstrebenswert erachtet haben. Nicht ich. Nicht du.

Jeder sollte sein eigenes Weltbild herausbilden (können) und seine eigenen Vorstellungen entwickeln. Es gibt ein paar Regeln, die sich bewährt haben. Und diese reichen doch eigentlich…

Also: Wozu Religion? Noch dazu: wozu Religion in Schule, Wissenschaft und Politik? Ist das, was derzeit in Deutschland abläuft, nicht ähnlich radikal, wenn auch auf eine andere Art und Weise, wie die kritisierten Religionen? Überdenkt euer eigenes Weltbild, eure Moralvorstellungen, eure Werte… Danke.

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|| 2 Responses to Gott schreibt: Gedanken zur Religion etc."

  • Count Zero says:

    das is ja mal wieder n langer eintrag…
    zur religion in der schule möchte ich anmerken das man bayrische klosterschulen nicht unbedingt als mass der dinge sehen sollte, ich glaube (hoffe) das es in anderen bundesländern nicht so ist.
    beim religionsunterricht hab ich ähnliche, aber nicht so negative erfahrungen gemacht: ja, alternativen zum christlichen religionsunterricht sind dürftig, teilweise gibt es gar keinen unterricht mangels teilnehmender schüler, teilweise wird der unterricht von überzeugten christen gehalten die auch für ihren glauben “werben”. allerdings habe ich auch kirchenvertreter erlebt (die religion unterrichten) deren untericht durchaus als ethikunterricht hätte durchgehen können und die auch von ihrem glauben abweichende meinungen akzeptiert haben.
    zum beruf: würdest du denn an einer uni arbeiten die von der kirche kontrolliert wird? auch als admin bekommt man mit mit was für ideen die studenten dort geimpft werden, ich glaube nicht das das auf dauer gut gehen würde.
    auch wenn die meisten religionen etwas angestaubt sind finde ich nicht das sie abgeschafft gehören, manchen leuten hilft es eben an irgendetwas zu glauben, ist doch in ordnung solange sie nicht versuchen anderen ihren glauben oder ihre wertvorstellungen aufzuzwingen

  • owl says:

    Nunja, “bayerische Klosterschulen” sind das eine, das andere ist: mir ging es auch auf staatlichen Schulen (Grundschulen) so… Wie es in anderen Bundesländern ist, weiß ich nicht.

    Religionsunterricht: genau das. Deswegen eben _ein_ Fach, in das alle Leute reingeschmissen werden…

    Beruf: Ja, würde ich. Es ist mir egal, ob die Studenten dort mit irgendwelchen seltsamen Ideen geimpft werden, weil sich die Studenten die Uni selbst aussuchten. Wenn die eine katholische Uni wollen, oder katholisch sind? – Bitteschön. SEP. Deren Ding. Nicht meins. Meines wären die Rechner. Nichts anderes. “Für Glauben bin ich nicht zuständig, ich weiß schon”…

    Religionen abschaffen und helfen: ja, das mag sein. Wenn man glauben kann. Aber ich finde Religionen nicht notwendig, um ein “guter Mensch” zu sein, was uns irgendwelche komischen Politiker etc. weißmachen wollen. DAGEGEN hab ich was.

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