Datenpannenirrsinn

June 29th, 2007 || 0 comments || permalink

Was bzgl. der “Datenpannen” passiert, ist einfach nicht mehr schön. Deswegen (und weil ich derzeit zu wenig Zeit habe über mehr zu schreiben, seriöse Mitblogger, die mir bekannt sind etc., dürften sich gerne melden) hier eine kleine Historie zu diesem Thema.

Wie alles begeann/Hintergrundinfos

Bei der Bundeswehr werden Daten gespeichert, also nicht nur beim BND (Bundesnachrichtendienst), Verfassungsschutz und Militärischen Abschirmdienst – allerdings ist es weniger bekannt, dass die Bundeswehr ebenfalls Daten hortet.

Im so genannten ZNBw (Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr) werden seit 1998 – gut gesichert – Berichte gesammelt, tagein, tagaus. Informationen werden dabei u.a. von Soldaten, die sich im Auslandseinsatz befinden, BND, Auswärtigem Amt, und anderen deutschen Ministerien und Behörden, sowie Nato- und EU-Streitkräfte bezogen.

Kürzlich stellte sich heraus, dass ein Großteil der gesammelten Daten verloren ging, dabei die die Rede von “mindestens vier Jahren”. Normalerweise können Daten oftmals wiederhergestellt werden – jedoch nicht in diesem Fall, wenn man dem Schreiben des Verteidigungsministeriums Glauben schenken darf, das da schreibt: “[Der Datenverlust] …umfasst im Wesentlichen die Daten, die in den Jahren 1999 bis 2003 aus den Einsatzgebieten gewonnen wurden.” In diesen Zeitraum fallen auch Einsätze in Afghanistan und Balkan.

Die Bundeswehr erklärt:

technische Mängel sind Schuld! “Jasmin” (der Name des Computersystems) sei ausgelastet, die Grenze der Speicherkapazität wurde bereits wenige Jahre nach Inbetriebnahme erreicht und Einzelkomponenten hätten ihre “technische Lebenserwartung” erreicht, was im Jahre 2004 zur Folge hatte, dass ein Versuch unternommen werden sollte, die Leistungsfähigkeit des Systems zu verbessern. Aus diesem Grund wurden laut Aussagen der Bundeswehr nicht mehr benötigte Daten auf Bändern archiviert. Dieses Backup erwies sich leider relativ bald als unbrauchbar, weil die Daten nicht mehr lesbar waren – laut Dienstvorschrift mussten diese “nicht mehr lesbaren Kassetten” vernichtet werden – was am 04. Juli 2005 geschah.

(Quelle: tagesschau.de – Bundeswehr vernichtete Geheimdaten)

Illegale Verhöre? – Dokumente verloren

Laut der “Berliner Zeitung” sind auch Daten aus einem US-Geheimgefängnis, welches sich im bosnischen Tuzla auf der Militärbasis “Eagle Base” befindet, verschwunden. Es wird vermutet, dass dort im Jahre 2001 Terrorverdächtige festgehalten zumindest zum Teil misshandelt worden sind. An den Verhören sind laut der “Berliner Zeitung”, welche sich auf einen BND-Bericht beruft, auch Offiziere des (deutschen) Militärischen Abschirmdienstes (MAD) beteiligt gewesen.

(Quelle: tagesschau.de – Auch Dokumente über illegale Verhöre verloren und tagesschau.de – Löschte die Bundeswehr über Geheimverhöre?)

Der Wunsch nach Aufklärung herrscht vor

Der Verteidigungsausschuss des Bundestags will sich am kommenden Mittwoch intensiver mit der “Affäre: Datenverlust” befassen. Einige Politiker und Parteien sind äußerst misstrauisch, was die angeblichen Gründe des Datenverlustes angeht.

(Quelle: sueddeutsche.de – Merkwürdigkeiten, die Ärger machen, tagesschau.de – Datenverlust beschäftigt Verteidigungsausschuss)

Auch der Fall Kurnaz scheint betroffen, sodass es beispielsweise nicht möglich ist dem Verteidigungsausschuss Tagesmeldungen der KSK vorzulegen. Diese Daten sind “unwiederbringlich gelöscht worden”.

Gerüchte existieren auch im Bezug auf “politisch gebilligte Aufträge und Regelverletzungen” im Bezug auf die Bundeswehr und Aktionen dieser – angeblich seien die Daten deshalb gelöscht worden.

(Quelle: spiegel.de – Lösch-Aktion bei der Bundeswehr: Minister Jung kündigt Aufklärung an)

Computerexperten gefragt

Aufklärung wird gefordert, die z.B. laut einer Pressemitteilung der Linken mit Hilfe “kompetenter, vertrauensvoller und unbestechlicher Computerexperten” – beispielsweise vom Chaos-Computer-Club (CCC), durchgeführt werden soll.

Skeptisch ist auch Christoph Fischer, Leiter der Kuert Datenrettung Deutschland, der die Aussagen der Bundeswehr für unglaubwürdig hält und behauptet: “Ein Datenretter hätte auf jeden Fall noch etwas lesbar machen können.”

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