Die letzten 30 Minuten ohne die einheitlichen, 10-stelligen Steuernummer, die jeder Bürger erhalten soll, sind angebrochen. Ab Mitternacht sind wir noch ein Stück transparenter. Ich rufe hierbei auf ab Mitternacht 1 Minute zu schweigen!
Archive for » June, 2007 «
Hinweis: Dies ist ein von trigami vermittelter Auftrag.
Mein erster trigami-Auftrag flatterte ins Haus, äh, in den E-Mail-Account. Klingt ganz interessant: eine noch recht junge Firma (“Seit März dieses Jahres sind wir mit www.Familyone.de live.”), die sich dem Social Networking für Familien verschrieben hat.
Soso, GoogleMaps empfindet das Polizeipräsidium München offensichtlich als “Arschloch”, wenn man in der Branchensuche “Arschloch” und als Ort “München” angibt. Gefunden bei gaehn.org
Nach dem Lesen dieses Artikels darf man mich wohl offiziell “zynisch” schimpfen, aber ich versuche gerade Frustbewältigung zu betreiben. Frust, weil Web 2.0-Dienste wie myfingr.com mich dazu bringen, am liebsten ein paar Leute in schönster Dominomanier anzuschubsen, ihnen zu wünschen, dass sie umfallen, andere mitstoßen und sie sich alle weh tun… Nochmal, für die komplett Doofen – pardon, meinte: geistig Normal- und Unterentwickelten – unter uns (wobei ich realistische Hoffnungen habe, dass sich diese Bevölkerungsschicht nicht lange in diesem Blog aufhält): der nachfolgende Text macht exessiven Gebrauch von Zynismus, Ironie, Sarkasmus.
Die Site
- “hottest fingerprint database” – vermutlich eine Initiative der Geheimdienste um unserer merkbefreiten Gesellschaft überdeutlich zu suggerieren: Biometrie ist cool! Fingerabdrücke in Datenbanken ist was für richtig angesagte Leute, so jemand wie du, ja, genau DU!!! Cooles Stück! Was ein Glück, dass ich Geek/Nerd bin. Geeks/Nerds sind ja per Definition “uncool” – muss ich mich also nicht als uncooler Versager outen, weil ich das schon bin – shit happens *smile*
- “invite your friends” – ja, auch Datensammeln ist furchtbar trendy, wie wir alle (außer mir) und die “Welt von morgen” ist die Vision von 1984: Orwells Albtraum *noch glückseliger grins*
- “rate and share” – aka: mach das, was ihr jeden Tag macht: Leute in Schubladen packen, nachdem ihr sie
verurteiltbeurteilt habt, im Web 2.0 klappt das mit dem öffentlichen Pranger vs. zur Schau stellen der Coolen-Clique sogar mit Bookmarks - “explore the gallery” – öffentlich zugängliche Fingerabdrücke, intelligenterweise sogar teilweise mit Namen versehen. Nett. Stasi 2.0 und Co. freuen sich. Schreibt doch bitte alle noch eure Sozialversicherungsnummer drunter, alternativ: Vorname, Zuname, genaue Anschrift – das ist noch cooler!
Jimmy
Hach Jimmy, was bist du cool! Dein Fingerabdruck sieht so toll aus! Ich bin so hin und weg, dass ich garnicht fassen kann, dass ich dich auf diese faszinierende Art und Weise kennenlernen durfte, oh du mein Traumprinz! Lass mich dich bookmarken. Du machst mich so verlegen, dass ich schon klinge wie der “deprimierte Webserver” – mein Deutsch mutet inzwischen ähnlich an.
Du hast es gecheckt! Datamining ist toll, Biometrie gleich viel mehr. Jimmy hat gleich noch seine Handschrift mitgeliefert, neben unter seinem Fingerabdruck. Forensische Schriftanalyse existiert.
Kollektive Datensammlung. Freiwillig. Eine Frage: wie kann man nur so dämlich sein?! Es gibt Leute, die ihren Fingerabdruck nicht einmal im Reisepass haben möchten, und dann gibt es solche hochintelligenten, geistigen Überfliger mit Weitblick Intelligenzbestien, die ihre Fingerabdrücke der breiten Masse zur Verfügung stellen. Ich glaub’ das nicht! Lasst mich hier raus!
Was bzgl. der “Datenpannen” passiert, ist einfach nicht mehr schön. Deswegen (und weil ich derzeit zu wenig Zeit habe über mehr zu schreiben, seriöse Mitblogger, die mir bekannt sind etc., dürften sich gerne melden) hier eine kleine Historie zu diesem Thema.
Wie alles begeann/Hintergrundinfos
Bei der Bundeswehr werden Daten gespeichert, also nicht nur beim BND (Bundesnachrichtendienst), Verfassungsschutz und Militärischen Abschirmdienst – allerdings ist es weniger bekannt, dass die Bundeswehr ebenfalls Daten hortet.
Im so genannten ZNBw (Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr) werden seit 1998 – gut gesichert – Berichte gesammelt, tagein, tagaus. Informationen werden dabei u.a. von Soldaten, die sich im Auslandseinsatz befinden, BND, Auswärtigem Amt, und anderen deutschen Ministerien und Behörden, sowie Nato- und EU-Streitkräfte bezogen.
Kürzlich stellte sich heraus, dass ein Großteil der gesammelten Daten verloren ging, dabei die die Rede von “mindestens vier Jahren”. Normalerweise können Daten oftmals wiederhergestellt werden – jedoch nicht in diesem Fall, wenn man dem Schreiben des Verteidigungsministeriums Glauben schenken darf, das da schreibt: “[Der Datenverlust] …umfasst im Wesentlichen die Daten, die in den Jahren 1999 bis 2003 aus den Einsatzgebieten gewonnen wurden.” In diesen Zeitraum fallen auch Einsätze in Afghanistan und Balkan.
Die Bundeswehr erklärt:
technische Mängel sind Schuld! “Jasmin” (der Name des Computersystems) sei ausgelastet, die Grenze der Speicherkapazität wurde bereits wenige Jahre nach Inbetriebnahme erreicht und Einzelkomponenten hätten ihre “technische Lebenserwartung” erreicht, was im Jahre 2004 zur Folge hatte, dass ein Versuch unternommen werden sollte, die Leistungsfähigkeit des Systems zu verbessern. Aus diesem Grund wurden laut Aussagen der Bundeswehr nicht mehr benötigte Daten auf Bändern archiviert. Dieses Backup erwies sich leider relativ bald als unbrauchbar, weil die Daten nicht mehr lesbar waren – laut Dienstvorschrift mussten diese “nicht mehr lesbaren Kassetten” vernichtet werden – was am 04. Juli 2005 geschah.
(Quelle: tagesschau.de – Bundeswehr vernichtete Geheimdaten)
Illegale Verhöre? – Dokumente verloren
Laut der “Berliner Zeitung” sind auch Daten aus einem US-Geheimgefängnis, welches sich im bosnischen Tuzla auf der Militärbasis “Eagle Base” befindet, verschwunden. Es wird vermutet, dass dort im Jahre 2001 Terrorverdächtige festgehalten zumindest zum Teil misshandelt worden sind. An den Verhören sind laut der “Berliner Zeitung”, welche sich auf einen BND-Bericht beruft, auch Offiziere des (deutschen) Militärischen Abschirmdienstes (MAD) beteiligt gewesen.
(Quelle: tagesschau.de – Auch Dokumente über illegale Verhöre verloren und tagesschau.de – Löschte die Bundeswehr über Geheimverhöre?)
Der Wunsch nach Aufklärung herrscht vor
Der Verteidigungsausschuss des Bundestags will sich am kommenden Mittwoch intensiver mit der “Affäre: Datenverlust” befassen. Einige Politiker und Parteien sind äußerst misstrauisch, was die angeblichen Gründe des Datenverlustes angeht.
(Quelle: sueddeutsche.de – Merkwürdigkeiten, die Ärger machen, tagesschau.de – Datenverlust beschäftigt Verteidigungsausschuss)
Auch der Fall Kurnaz scheint betroffen, sodass es beispielsweise nicht möglich ist dem Verteidigungsausschuss Tagesmeldungen der KSK vorzulegen. Diese Daten sind “unwiederbringlich gelöscht worden”.
Gerüchte existieren auch im Bezug auf “politisch gebilligte Aufträge und Regelverletzungen” im Bezug auf die Bundeswehr und Aktionen dieser – angeblich seien die Daten deshalb gelöscht worden.
(Quelle: spiegel.de – Lösch-Aktion bei der Bundeswehr: Minister Jung kündigt Aufklärung an)
Computerexperten gefragt
Aufklärung wird gefordert, die z.B. laut einer Pressemitteilung der Linken mit Hilfe “kompetenter, vertrauensvoller und unbestechlicher Computerexperten” – beispielsweise vom Chaos-Computer-Club (CCC), durchgeführt werden soll.
Skeptisch ist auch Christoph Fischer, Leiter der Kuert Datenrettung Deutschland, der die Aussagen der Bundeswehr für unglaubwürdig hält und behauptet: “Ein Datenretter hätte auf jeden Fall noch etwas lesbar machen können.”



Kommentare
owl: *neid* Ich glaube das Ruhigste und Dunkelste,...
Mao-B: Dann solltest Du mal hoch auf die friesischen...
owl: Ja, eben, normal… Aber dennoch –...