Speicherung biometrischer Daten? – Ja, bitte!?!

April 21st, 2007 || 0 comments || permalink

Mich schockierte das Ergebnis der Umfrage der Augsburger Allgemeinen! 61 % der Teilnehmer gaben an, dass Sie den Vorschlag Schäubles, die Passfoto- und Fingerabdruckdaten der Polizei zur Verfügung zu stellen, begrüßen. 37 % der Befragten sprachen sich dagegen aus und 2 % hatten keine Meinung.

Hierbei handelt es sich um die Speicherung biometrischer Daten, die sensible Informationen enthalten. Mit Hilfe dieser Daten wäre es möglich einen Identitätsdiebstahl zu begehen – und das ohne besonders aufwändige Verfahren… Dabei bedeutet jede Übermittlung der biometrischen Daten eine potentielle Gefahr für die eigene Identität. Zusätzlich besteht eine erhöhte Gefahr als Unschuldiger in das Raster von Ermittlungen zu fallen und v.a. auch als Unschuldiger verhaftet zu werden.

Theoretisch wäre es so z.B. denkbar, dass ein verfeindeter Nachbar einen Fingerabdruck (beispielsweise von einer Getränkeflasche) nimmt und sich daraus Fingerabdrücke bastelt – die nicht seinen eigenen entsprechen, sondern den entwendeten.

Durch die Übertragung/Speicherung der Daten von Passbildern und bald evtl. auch Fingerabdrücken wäre die Anzahl der potentiellen Gefahrengquellen bzgl. eines Identitätsdiebstahls höher. Der Nachbar bräuchte keinen Fingerabdruck von der Wasserflasche mehr aufwändig herstellen, sondern könnte z.B. bei der Übertragung der Daten einfach mitsniffen, oder könnten in das System mit den gespeicherten biometrischen Daten “einbrechen”…

Sollte er (der Nachbar) beispielsweise eine strafbare Handlung begehen, aber dabei die geklauten Fingerabdrücke verwenden, gerät man auf Grund der Fingerabdrücke erstmal unter Verdacht, schließlich liegen ja unumstößliche Beweise vor, dass man tatsächlich die Tat begangen hat. Sollte man nun kein Alibi vorweisen können (z.B. weil man Single ist und alleine wohnt), tut man sich zunehmend schwer wieder aus dem Verdacht rauszukommen…

Im Extremfall kann man also – auf Grund gestohlener Daten – für eine Tat verhaftet werden, weil ein Politiker fordert, die Welt ein Stück sicherer zu machen. Ein Politiker – Herr Schäuble – der einige bedenkswerte Vorschläge brachte, ein Politiker der öffentlich Aussagen macht, die sinngemäß so viel bedeuten wie “Wenn die Verfassung so nicht passt, machen wir sie passend” – oder um es mit Schäubles Worten zu sagen: “Für den Schutz des Grundgesetzes ist nicht allein das Verfassungsgericht zuständig, sondern alle Verfassungsorgane. Die Entscheidungen des Gerichts respektieren wir natürlich. Sie sind aber kein Hindernis, über künftige Grundgesetzänderungen nachzudenken.” (Welt Online)…

Selbst in “Zeiten wie diesen” konnte man – ohne die Privatsphäre der Bürger und die Verfassung zu gefährden/auszuhebeln – “Terroristen” verhaften! Will man einem Minister, der eine europaweite Ausdehnung des “Informationsaustausches über Terrorverdächtige” fordert, Vertrauen schenken und ihm ermöglichen die Stasi 2.0 zu etablieren?! Für vermeintliche Sicherheit, die auf den Rücken von Unschuldigen ausgetragen wird?

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